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Ich liebte Weihnachten. Meist verbrachte ich das Fest mit meiner Familie. Diesmal hatte ich keine Zeit. Mein Manager forderte Ergebnisse. Ich bin freischaffende Autorin und benötigte etwas Ruhe, was nicht hieß, dass ich gerne alleine war. Nein, damals war es ok. Nicht gut, aber erträglich und wer hatte schon Lust mir beim Schreiben zuzusehen? Richtig, niemand. Es machte mir nicht sonderlich viel aus, heute dagegen sterbe ich. Immer wieder, immer fort. Durchlebe Höllenqualen, sehe ihn. Sie glauben mir nicht, geben mir Tabletten und Spritzen, an die hunderte, jeden Monat. Doch es hilft nichts! Er verschwindet nicht. Er belächelt mich, das weiß ich, auch wenn ich es unter seiner Maske nicht sehen kann, aber nun zum Anfang meiner Geschichte….


Wow. Schon beim Anblick der kleinen Berghütte war ich wie verzaubert. Unglaublich, dass seine Besitzerin Weihnachten nicht selbst hier verbringen wollte.

„Fühl dich wie zu Hause.“ Süß. Ich riss den Zettel ab, er war am Briefkasten befestigt und trat ein. Miss Lorenz hatte ein Hang zum Afrikanischen und das nicht zu knapp. Bilder, Schalen und Vorhänge waren bunt. Überall waren Dekoartikel aus Elfenbein und Knochen. Sie hatte selbst ausgestopfte Tiere. Ich strich über ein Löwenfell, als mir der Geruch von Gulasch in die Nase stieg. Ich fand einen weiteren Zettel am Herd:

„Lass es dir schmecken, Süße!“ Etwas verwundert belud ich meinen Teller, mit den von Miss Lorenz gemachten Auflauf. Er schmeckte fabelhaft. Sobald ich ihr über den Weg lief, würde ich nach dem Rezept fragen müssen. Mein Handy klingelte. Wie üblich war Jess dran. Ich mochte sie echt gerne, allerdings ging sie mir seit geraumer Zeit ein wenig auf die Nerven. Jess glaubte an Geister und Engeln und an das Dorfgebrabbel, über das sich einige Tratschtanten das Maul zerrissen.

„Antonie, du muss da weg! Es ist SEIN Ferienhaus gewesen. Sein Vater hatte es extra für ihn gekauft.“

„Mir doch egal, selbst wenn. Jetzt gehört es ihm nicht mehr und ich glaub auch nicht daran, Tschüss!“ Bevor Jess mich ausbremsen konnte knallte ich mein Handy auf die Spüle, vielleicht ein wenig zu heftig. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, wollte aber keinen weiteren Streit mit ihr riskieren. Sie und ihr dämlicher Eyeless Jack. Vor ein paar Jahren hatte ein ziemlich bekannter Chirurg seinem Sohn die Augen ausgebrannt. Seitdem trug der Junge angeblich eine blaue Maske, wegen seinen schweren Verletzungen. Schwarzes Sekret soll aus seinen Augen tropfen und nachdem man ihn aus dem Krankenhaus entließ, brachte er Leute um und aß deren Nieren. So eine idiotische Geschichte. Der Vorfall war gewiss traurig, aber so wie die Medien es schilderten….maßlose Übertreibung.

„Öffne mich.“ Der kleine Adventskalender war entzückend. Miss Lorenz hatte an alles gedacht und voller Staunen legte ich mir das Knochenarmband um mein Handgelenk. Ein wirklich hübsches afrikanisches Mitbringsel. Am nächsten Tag war Heiligabend. Ich skypte kurz mit meinen Eltern und ging ein wenig angeschlagen zu Bett. Weihnachten alleine feiern, war doch nicht so mein Ding. Ich kroch unter die Decke, schreckte jedoch auf. Da war etwas. Ich schlug den Stoff beiseite und zum Vorschein kam ein Lederkostüm. Wie merkwürdig. Es war schwarz. Das Oberteil war kurz, zum Zuschnüren. Die beiliegenden Shorts waren nicht viel länger.

„Gefällt es dir? Ich denke, du wirst es brauchen.“ Ich kicherte. Die alte Dame dachte anscheinend, ich bringe Männerbesuch mit. Ich warf die Sachen beiseite und stieg ins Bett.

„Keine Bewegung! Stehen bleiben! Hände hoch!“ Ich erschrak heftig und riss beide Arme nach oben.

„Antonie Blair. Sie werden des Mordes beschuldigt.“ Sofort wurde ich gefesselt und mir legte jemand eine Decke, um den halbnackten Körper. Perplex ließ ich sie gewähren. Später erklärten sie mir, dass ein anonymer Anrufer sich gemeldet hätte. Miss Lorenz lag tot in ihrer eigenen Tiefkühltruhe, zu mindesten das, was von ihr übrig geblieben war. Sie fanden Reste ihres Fleisches an den Kochtöpfen. Ein Knochen wurde ihr entfernt-mein Armband. Das vVerstörendste aber war mit Abstand mein neues Lederkostüm. Der Frau wurde die Haut abgezogen und….

„Hier.“ Eine der Schwestern schob mir zwei Pillen in den Mund, nur um zwei weitere hervorzuholen.

„Wie oft soll noch sagen, dass ich es nicht war?“

„Ja, ja. Ich weiß….Es war Eyeless Jack.“ Natürlich glaubte sie mir nicht. Niemand glaubte mir, als ich ihnen erzählte, dass er mich anstarrte. Er kam in mein Zimmer, jede Nacht.

„Schätzchen, entweder du bist jetzt still oder…“ Selbst mit meinem zu Matsch verätzten Hirn konnte ich den Satz vollenden.

„oder ich bekomme eine weitere dieser grässlichen Spritzen.“

„Genau.“ Ich hasste diese Dinger. Sie veränderten mich, machten mich aggressiv. Ich konnte es fühlen, wie sich jede Zelle meines Körper modifizierte, konnte spüren, dass Irgendetwas nicht stimmte. Doch sie beachteten mich nicht. Selbst nachdem sich meine Augen zu einem scheußlichen Gelb verfärbten unternahmen sie nichts.

„Bis morgen, du krankes Drecksstück.“ Wenn ich heute zurückdenke, war dies der Anlass für meine folgenden Taten, meine Prägung. Sie war eine geschulte Schwester. Sie hätte so etwas nicht sagen dürfen.

„Sie…“ Da ich in einer Zwangsjacke steckte, fiel es mir nicht gerade leicht mich zu wehren, also tat ich das, was ich auch als kleines Kind getan hätte: ich spuckte sie an. Sie schrie. Zuerst dachte ich es seien nur Schreie aus Verärgerung, dann sah ich das Blut. Ihr Gesicht verlief, als hätte ich ihr Säure entgegen geschüttet.

„Monster!“ Mit weit geöffneten Augen drückte ich mich gegen die Wand. Ihr eines Auge war blind. Knochen traten unter dem blutigen Matsch hervor. Im ersten Augenblick war ich etwas bestürzt, bis ich das Ausmaß meines neu errungenen Talentes begriff. Alsbald fühlte ich, dass meine Hände feucht wurden. Es war so simpel. Das Gift ätzte sich durch die Zwangsjacke, sodass ich mich mit Leichtigkeit befreien konnte.

„Scheiße!“ Ich hörte Stimmen auf dem Flur und begriff, dass ich fliehen musste.

„Ich hab doch gesagt, du wirst die hier brauchen.“ E.J., so nenne ich ihn mittlerweile, hielt mir meine schwarze Menschenlederkluft entgegen, warf sie jedoch vor meine Füße, als er sah, dass ich sie nicht anziehen würde.

„Lass mich in Ruhe du Psycho, sonst…“

„Willst du mich umbringen?“ Er schnaubte verächtlich.

„Sie dich an.“ Eine weitere Schwester betrat mein Zimmer.

„Ist hier alles-“ Erschrocken riss sie die Augen auf und setzte zum Schrei an. Jack sprintete zur Tür. Ein gezielter Stich in den Kehlkopf ließ die Frau gurgeln. Sie spuckte Blut und er schloss die Tür wieder.

„Denkst du wirklich, sie würden dich akzeptieren? Du bist kein Teil dieser Gesellschafft mehr. Für sie bist du ein Mörder, ein Psychopath“, er deutete auf meinen Kopf,

„etwas Abnormales, das sie nicht kennen. Was meinst du warum dich deine Eltern nicht besucht haben? Und das ist erst der Anfang! Da dachten sie du wärst nur durchgedreht. Jetzt bist du ein Fall für das SCP-Hauptquartier.“ Ich schluckte und musste mir eingestehen, dass er zum größten Teil Recht hatte.

„Du bist ein Monster!“ Ich schrie. Tränen rannen über meine Wangen. Ein bitteres Lachen entrann seiner Kehle und er deutete belustigt auf den Plastikboden.

Wir sind Monster.“ Ich folgte seiner Deutung und erblickte winzige dampfende Löcher. Meine Tränen, sie fraßen sich einfach durch den Fußboden hindurch.

„Du kannst jetzt entscheiden, ob du bei denen ein Leben in Gefangenschaft und Verachtung verbringen willst oder dich uns anschließt.“ Wortlos griff ich zu den schwarzen Sachen.

„Gut so. Ich hab dir gleich noch Schuhe besorgt.“ Auf der Fensterbank stand ein Paar schwarzer Stiefel.

„Das heißt nicht, dass ich mich euch anschließe. Ich will lediglich hier raus.“ Er kicherte.

„Bist wohl eine ganz Harte? Du hast noch nicht verstanden, aber du bist nicht mehr die, die du vorher warst. Außer uns hast du niemanden.“ Ich riss mich zusammen nicht ein weiteres Mal zu weinen und drehte den Kopf beiseite. Wut brodelte in mir auf. Wie konnten sie mir nur so etwas antun? Ich war ein guter Mensch, einer von ihnen. Sie hatten mich einfach im Stich gelassen, mich aufgegeben, doch sie würden es bereuen. Ich wischte mir saure Tränen aus den Augen und hob, wutentbrannt den Kopf. Verraten von der Menschheit, verflucht vom Schicksal, geachtet von….uns? Wer auch immer wir waren, es schien noch andere zu geben, soweit ich das verstanden habe.

„So langsam müsstest du Gas geben. Es fällt auf, dass die ihre Kollegen noch nicht zurück sind und sie wollen nachsehen.“ Mehrere Personen waren auf dem Flur zu hören. Angriffslustig holte Jack ein Skalpell hervor.

„Bereit?“ Etwas perplex nickte ich, als ich verstand. Ich wollte nicht zu dem werden, was alle in mir sahen, doch eine innere Stimme raunte mir zu, dass sie es verdient hätten. Ich musste hier weg! Mit einem lauten Knall öffnete sich die Tür.

„Die Nieren gehören mir, Toxical.“ Und das war mein Tod. Der Tod von Antonie, die Geburt Toxicals .


Fortsetzung folgt.

NominaJC

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