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Du stehst vor dem Spiegel. Aufmerksam betrachtest du jede einzelne Kontur deines Gesichts. Ganz besonders fixierst du deine Beobachtung auf deine Augen. Du weißt, dass es jeden Moment wieder passieren kann, wie es schon unzählige Male passiert ist. Immer wieder und wieder. Gleich könnte es so weit sein, deine Augen würden buchstäblich in deinem eigenen Blut schwimmen. Sich dann entlang deines Gesichtes ziehen und eine bittere, verschmierte Spur des Teufels hinterlassen.

Ja genau! Es ist Teufels Werk, diese rote, dicke Flüssigkeit die so zäh und langsam deine makellose, elfenbeinfarbene und zarte Haut beschmutzt. In der Schule wirst du als Monster beschimpft. Zurecht. Niemand steht so stark unter dem Bann des Teufels wie du. Du bist wahrhaft die einzige, die es kann. Tränen aus Blut vergießen. Das ist dein Fluch, deine Sünde, oder auch ein medizinisches Wunder? Betrachte es wie du willst, aber ein ist sicher ganz klar: Du widerst dich an. Es widert dich an.

Wie es aus deinen Tränensäcken hervorkommt. Sich seinen Weg in deinen Mund bannt und einen giftigen, verdorbenen Nachgeschmack hinterlässt. Verrottetes Blut. Allein bei dem Gedanken dreht sich dein Magen schon um. Aber so ist es nun mal, wenn man verflucht ist. Es gibt kein Entkommen aus diesem Teufelskreis. Plötzlich hörst du ein leises Tropfen. Hat es etwa schon begonnen? Die übliche Prozedur, die dich Tag und Nacht quält. Die deine empfindliche Seele jedes Mal aufs Neue zerreißt und du zu Gott betest, er möge diesen Fluch oder was auch immer es sein mag von dir nehmen?

Langsam schließt du deine Augen. Du spürst bereits, wie die Wärme sich auf deiner Haut ausbreitet. Um dem widerlichen Geruch, verdorbenem Blutes zu entfliehen versuchst du durch den Mund zu atmen und nicht durch die Nase, doch mit jedem verdammten Atemzug, den du tust vernimmst du ein höllisches Brennen in deiner Kehle, als würde der grauenvolle Duft sich seinen Weg in deine Kehle bannen und sie unter Feuer setzen, sie verbrennen. Der Schmerz, der deinen Körper durchzuckt lässt dich noch mehr und schwerere Tränen über dein Gesicht fließen. Verzweifelt kneifst du deine Augen zusammen und presst deine Lippen aufeinander in der Hoffnung, den Fluss so stoppen zu können.

Dennoch lässt sich dieser Kampf nicht besiegen. Nicht so. Das Blut findet immer neue Wege aus deinem Inneren herauszubrechen. Plötzlich spürst du wieder eine unnatürliche Wärme, diesmal jedoch in deiner Nase. Diese Wärme breitet sich immer weiter aus, entlang deiner verschlossenen Lippen hinunter zu deinem Kinn, um leise auf den Boden aufzukommen. Zuerst ganz langsam, dann immer schneller. Auf dem Boden hat sich eine kleine Blutlache gebildet. Jedoch, bist du zu gelähmt durch den Schock und zu angewidert von dem Blut das auch nun aus deiner Nase trieft.

Reflexartig beugst du dich über das Waschbecken. In deinem Magen rumort es. Du willst dich übergeben, doch ist das einzige, was dein Körper auszustoßen versucht ist anderes als ein großer Schwall weiteren Blutes, dass zähflüssig zwischen deinen Zähnen samt deiner Spucke herabfließt. Deine Augen weiten sich vor Schreck und Angst. Nun läuft dein roter Lebenssaft aus deinem kompletten Gesicht: Mund, Nase und Augen.

Eine schleichende Müdigkeit überkommt dich. Du weißt, dass es bald vorbei ist. Dir ist im vollem Maße bewusst, dass das alles bald sein Ende findet, nur musst du es beschleunigen. Du willst nicht länger Leiden. Du willst, dass es JETZT endet! In diesem Moment! Freudig über die Zuflucht aus diesem Teufelskreis, nimmst du eine dir naheliegende Rasierklinge zu Hand. Ein tiefer Schnitt und es ist vorbei. Ohne zu zögern ziehst du es durch deine Pulsader. Weißt bereits, was kommt. Die anfängliche Wärme, die einerseits so wohltuend war und andererseits dein Leben zerfressen hatte, weil du sie schon viel zu oft verspürt hattest, schwindet in eine unangenehme, fast stechende Kälte.

Lächelnd liegst du nun auf dem Boden. Deine Augen geschlossen, hauchst du dein letztes Wort von dir: „Endlich.“ Doch was ist das? Eine Träne gezeichnet aus rubinrotem Blut zeichnet deine beschmutze Haut ein aller letztes Mal. Mit einem verschmitzten Lächeln wische ich diese von deinem Gesicht und flüstere liebevoll in dein Ohr:

„Weine liebes Kind. Weine deine Tränen aus reinstem Blut.“

Geschrieben von: BlackRose16       

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