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Dein Bild verblasst, dein Gesicht verwischt wie ein Bleistiftstrich, den man mit dem Finger verstreicht. Du entfernst dich von mir und bist schon fast nicht mehr zu sehen. Ich versuche dir meine Hand zu reichen, dich bei mir zu halten, aber der Nebel schließt dich ein und zieht dich immer weiter von mir weg.
Alles wird schwarz.

Ich öffne die Augen.
Du bist weg, schon wieder. Zwanghaft kneife ich die Augen zusammen und versuche wieder einzuschlafen. Drehe mich nach links, drehe mich nach rechts, auf den Bauch, auf den Rücken - nichts hilft.

Ich fange an zu weinen und verkrieche mich unter meine Decke: “Irgendwie muss ich doch wieder einschlafen können!“, denke ich.
Der Schlaf, das Träumen, ist momentan noch das Einzige, was mich am Leben erhält. Ich muss wieder einschlafen, unter jeder Bedingung.

Ich greife neben mich auf mein Nachttischschränkchen, packe mir die Packung Schlaftabletten, die schon seit Wochen dort steht.

Ich fische mir zwei heraus, drehe sie in den Händen hin und her:“Wie viele darf ich davon überhaupt nehmen?“, frage ich mich innerlich.

Doch da platzt meine Mutter ins Zimmer, ich reiße erschrocken die Augen auf und sie schaut mich mit einem Entsetzen an, welcher nur von einer tief bestürzten Mutter kommen konnte.

„Was tust du da?“, fragt sie entgeistert.

„Ich.. ehm, i-ich..“, stammle ich, suchend nach Wörtern, die nicht ganz so krank klangen, wie diese Situation eigentlich war.
Sie reißt mir die Pillen aus der Hand, greift nach der Packung Pillen auf dem Tisch und schüttelt nur den Kopf: “Was ist nur los mit dir?“
Ich fange an zu schreien, meine Mutter anzuschreien: “Hau ab! Los! Ich will dich nicht mehr sehen!“
Sie weiß mich nicht zu händeln, sie verlässt den Raum und lässt mich allein.
Ohne Gefühle, ohne Tabletten, ohne meine Träume.. meine Träume von dir.
Ich fange erneut an zu weinen, noch stärker als davor. Ich weiß nicht – immer noch nicht – wie ich mit dieser ganzen Situation umgehen soll.

Du bist weg und ich weiß, du wirst dies für immer sein. Die einzige Möglichkeit für mich, dich zu sehen, sind meine Träume, welche jeden Tag beendet werden. Immer wieder und wieder.

Ich werfe mir eine Jacke über, schlüpfe in meine Schuhe und knalle die Tür mit einem gewaltigen Schlag zu.
Meine Tage bestehen nur noch aus schlafen. Im Bett liegen und schlafen, darum kämpfen, schlafen zu können, mit meinem eigenen Körper, wie als würde mein Leben davon abhängen.
Durch den vielen Schlaf bin ich so stark und doch ist meine Seele so schwach, ich merke, wie ihre Beine weg knicken und ich nur noch einen Ort suche, an dem ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.
Ich laufe, laufe so weit wie möglich. Will mich abgrenzen, will, dass mich niemand sieht.
Wenn ich die Augen schließe, sehe ich dich, wie ich dich in meinen Träumen sehe.

Der einzige Ort, an dem ich dich sehen kann.
Ich will träumen, träumen, träumen – will dich immer bei mir haben, dich nicht mehr loslassen müssen.

Und ich laufe weiter, bis ich am Abgrund stehe.
Über den Rand beugend sehe ich, dass es weit nach unten geht.

Ich lächel, geh einen Schritt nach vorne und beginne zu fliegen.

Als mein Körper den Boden küsst, weiß ich – nun kann ich für immer träumen.

CanNibalCoOkie (Diskussion) 16:49, 31. Mai 2014 (UTC)

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