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Trent

August 12, 2013


Heiß war es, konzentrierte man sich mal auf eine einzelne Person in der Menschenmasse, sah man wie ihnen der Schweiß aus sämtlichen Poren triefte. Die Klamotten klebte ihnen an den Körper und der Geruch der von ihnen ausging, war alles andere als angenehm. Allerdings hatten sie alle denselben Weg. Die New Yorker U-Bahn. Hier waren alle Menschen gleich, alle wollten zur Arbeit, oder waren von der Nachtschicht auf dem Weg nach Hause. Manche Menschen stachen etwas mehr hervor als andere. So auch Trent, ein erfolgreicher Geschäftsmann. Man sah das es ihm zuwider war, sich mit seinem teuren Anzug den verschwitzten Menschen zu nähern. Aber es blieb ihm nichts übrig, eine überraschende Panne in seiner teuren Luxuslimousine, trieb ihn dazu. Natürlich fand sich auch kein Taxi und so musste er wohl oder übel auf die U-Bahn zurückgreifen, wenn er zu seinem Meeting noch pünktlich kommen wollte. 

Er versuchte so weit Abstand zu halten wie nur irgendwie möglich, konnte aber nicht verhindern das ihn durch die Menge eilende Leute immer wieder anstießen. Jedesmal rümpfte er die Nase und war kurz davor die Leute so zusammenzustauchen, wie er es auch gerne im Büro tat. Noch heute regte er sich über seine letzte Sekretärin auf, die zu dämlich war ihm einen vernünftigen Kaffee zu holen.

Die neue konnte wenigstens das, auch wenn sie sonst nicht die hellste Glühbirne im Kronleuchter war. Aber was wollte man erwarten von einer unterpriviligierten Angestellten.

Wieder stieß ihn jemand an, er hörte ein paar Meter weiter irgendein Gör heulen und neben ihm stand eine Frau die sich immer wieder die Nase schniefte. Er versuchte sich leicht wegzudrehen, eine Sommergrippe fehlte ihm zu seinem Glück noch. 

Um sich abzulenken, dachte er schon mal an die Mittagspause. Er war verabredet mit einem ehemaligen Freund und wollte natürlich Eindruck schinden und zeigen wozu er es gebracht hatte. 

Sein Auto, welches er gerne als Prestigeobjekt nutzte, fiel dafür leider weg.

Aber es würde sich sicher etwas finden, womit er den anderen in Verlegenheit bringen konnte und sei es nur ein Essen in dem teuren Restaurant, was er gern für wichtige Geschäftsessen nutzte.

Ihm war klar das sein „Freund“ sich dort nichts leisten konnte, aber gerade sowas liebte er. Andere Menschen waren für ihn gerade gut genug, wenn er sich durch deren Übel besser fühlen konnte.

Kaum einer mochte ihn deswegen, aber es hatte ihn dahin gebracht wo er stand, an die Spitze einer internationalen Bank. Er hatte alles was man sich nur wünschen konnte und noch viel mehr drüber hinaus. Brauchte er sogenannte Freunde, rief er Kollegen an, ließ sie einen zeitlang in seinem Ruhm baden und stieß sie dann wieder weg, um sich daran zu erfreuen. Er hatte Urlaube an den schönsten Stränden und den besten Skigebieten gemacht und nie war er allein gewesen. Menschen zu benutzen war einfach, wurden sie anhänglich oder kamen sie mit Problemen, konnte er sie aus seinem Leben streichen und gegen jemand neues, frisches austauschen. 

So einfach war es und nichts und niemand konnte ihn vom Gegenteil überzeugen.

Ein Hustenanfall von der Frau neben ihm, riss ihn aus seinen Selbstgefälligen Gedanken. Er merkte wie etwas Feuchtes seinen Nacken berührte, das war Anlass genug um ihn vor Wut explodieren zu lassen. „Sie dreckige Hure, was glauben…“, setzte er an und drehte sich dabei um. Was er sah ließ ihn mitten im Satz stocken. Die Frau hielt sich ein blutrotes Taschentuch vor das Gesicht und machte Geräusche als würde sie ersticken. Sie hustete noch immer und zwischen ihren Fingern quoll immer mehr  Blut hervor. Trent wollte mit sowas definitiv nichts zu tun haben, also hielt er sich im Hintergrund, als sich Menschen dort hindrängten und versuchten zu helfen. Diese Idioten mit ihrer Nächstenliebe und all dem Humbug, kamen ihm in diesem Moment sehr gelegen. So brauchte er nichts weiter tun, als zuzusehen wie die Frau immer wieder von heftigen Hustenanfällen geschüttelt wurde und sich langsam eine kleine Blutlache um sie herum  ausbreitete. Ein älterer Herr half ihr sich auf den Boden zu legen, er zog sein Jacket aus und legte es ihr unter den Kopf. Sie lag seitlich da und das Blut kam nun nicht mehr nur aus ihrem Mund, sondern auch aus Nase und Ohren. Man sah fast wie sie vor Augen aller in sich zusammenfiel, der rosige Ton wich aus ihrem Gesicht und sie fing stark an zu zittern. Es war gespenstisch ruhig in der Station, das einzige Geräusch war immer noch das heulende Kind, ganz in ihrer Nähe. Noch einmal hustete sie stark und man sah wie die Bluttröpfchen durch die Gegend flogen.

Die Frau wurde ganz starr, ihr Blick war die ganze Zeit umhergeschweift, doch auf einmal fokussierte er sich auf den alten Herr. „Ihr werdet alle bereuen“, sagte sie so leise, dass man kaum verstand. Dann nahm sie einen letzten Atemzug und erschlaffte. 

Man sah den Menschen an wie geschockt sie waren, jeden Tag starben Menschen, aber selten jemand direkt vor ihnen. Selbst Trent wirkte einen Moment betroffen, dies hielt sich jedoch nicht sehr lang. Kaum war für ihn klar, dass die Frau dahingeschieden war, fragte er sich wo die U-Bahn blieb. Eine Durchsage beantwortete seine Frage sofort.

„Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund einer Anweisung wird diese U-Bahn Station auf unbestimmte Dauer ausgesetzt. Bitte weichen Sie auf Bus und Taxi aus. Wir entschuldigen diese Unannehmlichkeiten und werden bald wie gewohnt für sie da sein.“

Ein Stöhnen entfuhr Trent und er fragte sich was wohl an diesem Tag noch alles schiefgehen sollte, wütend schnappte er sich sein Handy und rief im Büro an.

Aufgeregt meldete sich seine Sekretärin. „Anna, verschieb meinen Termin! Ich melde mich, sobald ich irgendein verdammtes Taxi erwischt habe.“, brüllte er seine Anweisung genervt ins Telefon und wollte schon wieder auflegen als seine Sekretärin irgendetwas von Terroristen zu plappern anfing.

„…sie wollen die ganze Menschheit vernichten, kam gerade in den Nachrichten. Man soll sich möglichst weit ab von hoch frequentierten Orten aufhalten.“, 

Trent sah sich um und ihm wurde bewusst, dass er sich wohl an dem Ort mit den meisten Menschen in New York aufhielt. Er legte auf und verstaute sein Handy. Der Tunnel weitete sich vor seinen Augen aus, der Ausgang rückte immer weiter weg von ihm. Schweißperlen traten ihm auf die Stirn und seine Atmung wurde schwer. Es waren kaum 2 Minuten seit dem Tod der Frau vergangen, die nächsten umstehenden waren immer noch geschockt und schienen ratlos. Doch viele begaben sich langsam Richtung Ausgang. Trent wusste er musste so schnell wie möglich hier raus, sein Leben war es wert weitergelebt zu werden. Er war es wert.

Er suchte sich den schnellsten Weg zwischen den Leuten, er schubste den Ersthelfer der Frau beiseite, seine Gedanken konzentrierten sich einzig und allein auf den Ausgang. Und so merkte er erst zu spät, dass er irgendwo hängen blieb und zu Boden stürzte.

Um sich herum hörte er entsetztes Stöhnen. Aber das nahm er nur am Rande wahr, denn in seinem Knie explodierte der Schmerz, sodass ihm wirklich kurzzeitig  Schwarz vor Augen wurde. Nun war er froh über die Idioten, die sich ja quasi darum rissen Leuten in Not zu helfen. Er versuchte sich zu drehen, aber irgendetwas hing an seinem Knöchel. Er drehte sich mit einem Ruck um und sah dass die angeblich tote Frau zu ihm aufschaute und ihre Hand sich in sein Fleisch gegraben hatte. Nach einem kurzen Moment sah er das Blut, das aus seinem Hosenbein lief. Es vermengte sich mit der Blutlache, die den Boden schon bedeckte. Der Schmerz der sich daraus ergab, übertraf sogar noch die in seinem Knie. Es fühlte sich an, als würde die Frau sich ein Loch in seine Wade graben. Er schrie und fragte sich warum niemand half, strampelnd versuchte er sie loszuwerden. Der ältere Herr schien aus seiner Starre zu erwachen und wollte wie schon zuvor helfen. Er packte die Frau beim Handgelenk, aber ihr Griff verstärkte sich nur nochmal, sodass Trent abermals aufschrie. Als der Herr noch fester zog, beugte sich die Frau mit ihrem Kopf rüber und biss einfach wie ein Tier zu und riss ein ganzes Stück Fleisch aus seiner Hand. Sofort ließ er los und nahm entsetzt Abstand.

Die anderen Fremden tauten nun auch aus ihrer Starre auf, ein paar liefen weg, aber andere Mutigere stürzten sich auf die Frau und halfen Trent zu befreien und die Frau in ihrem Wahnsinn, am Boden zu fixieren. Sie wehrte sich mit einer unglaublichen Kraft, verletzte einzelne durch einen Biss oder durch Kratzer. Doch letztendlich gelang es ihnen sie zu Boden zu ringen und sie Bewegungsunfähig zu machen. 

Trent war zutiefst erschüttert, sein Bein brannte als würde es in Flammen stehen und ihm kam es vor als würde sich das Gefühl immer weiter ausbreiten.

Der hilfsbereite Herr stand neben ihm und verzerrte das Gesicht vor Schmerzen und auch die anderen die verletzt worden waren, standen die Schmerzen ins Gesicht geschrieben.

„Die Polizei und Sanitäter müssen jeden Moment da sein, sie brauchen bei der Verkehrslage eventuell ein wenig länger.“, rief irgendjemand aus der Menge. In der Ferne hörte Trent immer noch das Kind schreien, als ihm auffiel das der Mann, der auf der Frau saß einen Kratzer am Hals hatte. Er presste die Augen immer wieder zusammen, als würde er etwas verdrängen wollen und sein Griff schien sich zu lockern, die Frau hatte wieder mehr Bewegungsspielraum und riss sich kurze Zeit später aus seinem Griff los. Den nächstbesten packte sie und stürzte sich wie von Tollwut besessen auf ihn. Sie biss ihm mitten ins Gesicht, man sah das Blut und die panischen Gesichtern drum herum.

Nun brach wirklich Panik los, alle Leute versuchten so schnell wie möglich vor dieser Irren davonzulaufen und auch Trent versuchte aufzustehen und wegzukommen. Aber sein Knie hielt seinem Gewicht nicht stand, knickte weg und er fiel wieder auf den dreckigen Boden zurück. 

Die Leute interessierte das wenig, sie trampelten über ihn drüber, als wäre er ein lebloser Teppich. Ein Blick zurück verriet ihm, dass die Frau sich schon ein neues Opfer gesucht hatte. Und dass der Mann der sie zuvor festgehalten hatte, scheinbar leblos am Boden lag. 

Trent fühlte sich schwach und verlor einfach den Lebensmut. Sein Körper brannte mittlerweile überall und Kopfschmerzen überdeckten alle anderen Schmerzen. Er fragte sich einen kurzen Moment ob er sterben würde, aber dann wurden seine Gedanken einfacher. Er dachte an einen wunderschönen Strand den er mal besucht hatte, wie die Wellen sich sanft am Strand brachen und wie heiß die Sonne auf ihn heruntergeschienen hatte. Dann überkam ihn erneut eine Welle des Schmerzes und vertrieb die schönen Gedanken. Er sah nur noch Farben, rot und schwarz, wie sie sich vor seinen Augen verwirbelten und wieder auseinanderbrachen. Und dann war da einfach nichts mehr. Trent machte seinen letzten Atemzug.

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