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Für einen Moment bleibe ich stehen. Genieße die Brise, die mir ins Gesicht weht. Nicht unangenehm. Eher wie ein stiller Kuss des Abendwindes. Ich schaue auf die Stadt. Tausende kleine Lichter. So viele Menschen. In der Stadt muss man manchmal aufpassen, dass man sich nicht in den Gedanken verrennt, nur einer von vielen Menschen zu sein, die auf dieser Welt leben. Nur eine unbedeutende Ameise zu sein, die ohne eine Menge Aufwand zerquetscht werden könnte…

Ich drehe mich um, betrete mein Appartement. Sie liegt bereits auf dem Bett. Zusammengekauert, beziehungsweise in Fötusstellung. Ich frage mich, ob sie gerade schläft, lege den Kopf schief und gehe ein paar Schritte auf sie zu. Ihre langen schwarzen Haare fallen ihren kleinen, zerbrechlichen Körper herunter. Sie gleicht einer schlafenden Elfe, wie sie da liegt. Vollkommen unschuldig, aber auch einsam und wehrlos. Ich setze mich auf das Bett, lege meine Hand auf ihre nackte Schulter.

Augenblicklich reißt sie die Augen auf. Dreht sich hastig um, will schreien. Vergebens, habe ihr einen Knebel in den Mund gesteckt. Meine Hand gleitet zu ihren Mund, übe leichten Druck auf den Knebel aus. Ihr Körper beginnt zu zittern, vor Angst, leider. Ich seufze, lege mich zu ihr.

„Ganz ruuuuuhig.“, flüstere ich, „Es ist alles guuut.“

Ein Winseln durchdringt den weißen Stoff des Knebels. Der Körper der Frau spannt sich einen Moment an, lockert sich dann aber wieder. Ich lasse sie, soll sie doch einen Ausweg suchen, wenn es ihr danach besser geht. Ich will sie ja nicht unterdrücken. Ich bin immerhin ein Gentleman.

Lächle, als sie den Kopf hebt und versucht mich anzuschauen. Ihre Arme und Füße sind an den Bettpfosten fest gemacht und sie muss sich mehr oder weniger stark verrenken, um mir in meine dunklen Augen zu schauen.

Ihre Augen sind blau, angsterfüllt, dennoch irgendwie… erwartend. Ich werde ein wenig rot. Frauen anzusprechen, war noch nie meine große Begabung…

„Entschuldige.“, beginne ich, in der Hoffnung, meine Stimme würde nicht zu wackelig klingen, „Ich wollte dich nicht aufwecken. Hast du schön geträumt?“

Kein Nicken, kein Kopfschütteln, kein Wort. Ich glaube, sie ist auch ein wenig schüchtern. Welch Erleichterung, dann haben wir ja schon das Erste gemeinsam.

Ich lege meine Arme um ihren Körper. Sie versucht so gut, wie es geht, sich zu wehren. Aber ich lege wieder meine Hand auf ihren Mund, übe diesmal stärker Druck aus. Ein erstickter Schrei, Tränen laufen ihre weichen Wangen runter. Ich wische sie mit meinen Fingern weg.

„Bitte, hör doch auf, dich zu wehren. Ich versuche ja so gut es geht, für dich da zu sein.“

Nur weiteres Schluchzen. Stehe auf. Verschränke meine Hände hinter den Kopf.

„Ich kann das so nicht. Bitte, du musst mich verstehen, du liebst mich doch.“

Wieder erstickte Schreie. Zorn blitzt in ihren Augen auf, zerrt und verzerrt ihr Gesicht zu einer hässlichen Grimasse. Gehe vorsichtig ein paar Schritte zurück. Diesmal beginne ich ängstlich zu zittern, dabei auf das vorher so elfengleiche Wesen starrend. Sie ist nun nicht mehr zart und zierlich. Sie ist ein Dämon geworden. Einer, den es zu vernichten gilt.

Ich stolpere, eingeschüchtert von dem furchterregenden Wesen, dass auf meinen Bett festgebunden ist, zum Kamin. Nehme den Schürhacken.

Laufe nun langsam auf sie zu. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken runter, erfüllt meinen gesamten Körper. Die Kreatur, die mal eine Frau war, bemerkt mich. Ihre Augen weiten sich, sie beginnt sich zu strecken, zusammenzuziehen, die Fesseln so zu lösen. Ihr Knebel lockert sich.

Ich gehe weiter auf sie zu. Stehe nun vor Ihr, Ihm, Es. Der Knebel rutscht aus dem Mund des Dämons.

„Du wirst mich nicht bekommen, Teufel!“, schreie ich und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit saust der Schürhacken herunter.

Noch einmal. Noch einmal. Ich höre Schreie. Die Schreie einer Frau. Der Frau, die sie noch war, bevor sie zu nichts weiterem als einen dreckigen Gehilfen des Teufels wurde, der schon seit Jahren versucht, mich in seine Klauen zu reißen. Ich schließe die Augen, lasse die Todesschreie ausklingen.

Mit jedem einzigen Schlag, den ich ausübe, werden sie schwächer und schwächer. Als Stille den Raum erfüllt, öffne ich die Augen.

Lasse den Schnürhaken fallen. Lege mich wieder zu ihr ins Bett. Sie war jetzt kein Dämon mehr. Sie war wieder eine Frau. Ihr Gesicht war nun keine verzerrte Maske mehr, es war nun… wunderschön. Lege meine Hand auf die fleischige Stelle, wo vorher ihr Mund war, übe kurz ein wenig Druck auf die Stelle aus. Das Fleisch gibt nach. Eine Träne fließt meine Wange herunter, ein Lächeln breitet sich auf meinen Gesicht aus.

Und in Erinnerungen an sie halten mich unermüdlich ihre Todesschreie wach.

Diversum (Diskussion) 13:27, 1. Jan. 2015 (UTC)

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