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Es ist niemand im Haus, außer mir und meinem Bruder.

Er heißt Nils. Ich liebe ihn, er ist mein Ein und Alles. Nachdem mein Vater uns im Stich gelassen hat, sind meine Mutter, Nils und ich näher zusammengewachsen als jemals zu vor. Uns wurde erst dann richtig klar, was Familie eigentlich ist.

Allerdings hat Nils das nie wirklich verkraftet. Er hängt heute immer noch an unserem Vater, diesem Arschloch. Bevor er uns verließ, hat er unsere Mutter geschlagen. Jeden Dienstag kam er besoffen aus der Kneipe, da hat er mit seinen Freunden gefeiert. Tolles Vorbild. Er kam nach Hause und schlug sie erst einmal, natürlich sollten wir schon schlafen, ich konnte das aber nicht. Nicht Dienstags.

Nils bekam davon nur wenig mit. Mom und ich sorgten dafür, dass für ihn alles so gut wie möglich war. Wahrscheinlich will er ihn deshalb so oft sehen. Die Sehnsucht nach ihm frisst ihn regelrecht auf. Er weint, er vermisst ihn, er will ihn wieder... aber nein, das geht nicht. Er war zu jung, um alles zu verstehen und zu jung, um wegzustecken, dass sich seine Eltern getrennt haben.

Ich träume oft. Wieder und wieder spiele ich das Szenario durch, wie mein Vater meine Mutter schlägt und ich hilflos im Bett liege, ohne etwas unternehmen zu können. Wieder und wieder muss ich ihre qualvollen Schreie hören. Sie hat immer versucht leise zu sein, aber das hat sie leider nie geschafft.

Heute klingelt es an der Tür. Ich mach auf und da sehe ich ihn. Dieser miese Wurm steht wieder vor der Tür. Er kommt rein und meint, dass Nils ihn angerufen hätte. Woher hatte Nils seine Nummer? Er geht, als wäre es das Normalste der Welt, rotzfrech an mir vorbei in das Wohnzimmer. Er hat schon wieder gesoffen. Nils war gerade in seinem Zimmer, was vielleicht besser war. Langsam baut sich die Wut in mir auf, immer und immer stärker wird sie. Die ganze Zeit, in der er unsere Mutter geschlagen hat, den psychischen Schaden, den Nils nun davonträgt und meine Träume, wie ich diese Dienstage wieder und wieder durchspiele, all das spielt nun zusammen. Ich gehe in die Küche und hole mir ein Messer. Ein schön großes. Ich gehe ins Wohnzimmer und bevor dieser Drecksack irgendwas machen kann, steche ich es ihm in die Brust. Wieder und wieder und wieder. Er geht zu Boden. Jetzt war er es, der herumgeschrien hat. Nils stand plötzlich auf der Treppe. Diesen Blick von ihm werde ich nie wieder vergessen, das Traurigste, was ich jemals gesehen habe. Sein Gesichtsausdruck war die Definition von Entsetzen.

Schweißgebadet wache ich auf. Schon wieder dieser Traum, so langsam drehe ich noch durch. Das muss aufhören. Ich kann diesen Blick von Nils nicht mehr ertragen. Ich stehe auf, mache mich zurecht, ziehe mich an und warte, bis der Wärter meine Zelle aufschließt. Nils hat mich nie besucht und das wird er wohl auch nie.

Danke Dad. Vielen, vielen Dank.

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