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Es war tiefe Nacht und Jim kam gerade von einer Party. Die Straßenlaternen flackerten nur noch armselig. Schnell stapfte er durch die Schneewehen des frühen russischen Winters. Dann sah er ihn.

Ein augenscheinlich Obdachloser saß unter der einzigen funktionierenden Laterne und faselte vor sich hin. Jim hasste Obdachlose. Er hatte sie schon immer gehasst. Sie waren der Abfall der Gesellschaft. Als Jim den Obdachlosen erblickte, packte ihn tiefe Wut. Er hasste ihn.

Als er an ihm vorbeiging, spuckte er ihm in das dreckige Gesicht. „Schäm dich, Junge“, sagte der Alte mit einer schrecklich knirschenden Stimme, „Was denkst du, wer du bist?“ Etwas Besseres als du", dachte Jim und trat gegen den Becher mit den Almosen des Alten.

Plötzlich sprang der Alte auf und packte Jim am Kragen. „Schäm dich, schäm dich“, schrie er, bevor Jim ihn zurück in den Schnee stoßen konnte. „Ihn wird ein grausames Schicksal ereilen“, sagte er mehr zu sich gewandt, „Oh ja, schrecklich.“ Dann kicherte er. Jim wurde das zu viel, er ging weiter nach Hause. Was für ein Idiot, dachte er sich, Als ob der mir was antun könnte. Jim lachte über die Angst, die er gehabt hatte. Doch diese Nacht hatte er schlimme Albträume.

Er träumte, wie der Alte ihn fesselte und dann zu Tode quälte. Und immer wieder hörte er das schreckliche Gekicher. Dann schreckte er hoch. Er sah auf seine Uhr: drei Uhr morgens. Ihm war immer noch ganz kalt, er spürte noch die Schmerzen aus seinem Traum und hörte das Gekicher.

Jim brauchte etwas frische Luft und ging auf seinen Balkon. Er nahm ein paar Atemzüge und blickte über das kleine Dorf, in dem er lebte. Dann sah er ihn. Er stand ein paar Meter entfernt auf der Straße und starrte ihn an. Obwohl es eigentlich nicht möglich war, hörte er sein Flüstern: „ein schreckliches Schicksal.“ Jim versuchte, seinen Blick abzuwenden, doch es gelang ihm nicht. Also schloss er die Augen. Als er sie öffnete, war der Alte verschwunden. Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet, dachte er, doch er wusste, dass es nicht so war.

Die nächsten Tage verliefen schrecklich. Jim fühlte sich ständig von dem Alten verfolgt und konnte sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren. Als Jim einige Abende später von der Arbeit Heim fuhr, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Anstatt zu flackern, waren die Straßenlaternen nun völlig erloschen. Also fuhr Jim über die dunkle, menschenleere Straße. Er hatte immer wieder das Gefühl, den Alten am Rand des Scheinwerferlichts zu erblicken. Doch nie war er da.

Langsam beruhigte sich Jim. Als er endlich auf dem Parkplatz seines Hauses stand, spürte er die Angst kaum noch. Doch das war eine Täuschung. Jim schloss gerade die Tür auf, als er hinter sich einen Schrei hörte. Er drehte sich um und sah, wie der Alte nur wenige Meter entfernt stand. „Du hast mich gehört“, flüsterte der Alte, „Bald wirst du so schreien.“ Daraufhin starrte der Alte ihn nur noch an. Jim bekam langsam Panik und rannte in sein Haus. Er hörte noch, wie der Alte rief: „Verstecke dich! Ja, das wird ein Spaß. Ich liebe suchen.“ Er sprach dies so entzückt aus, dass Jim würgen musste. Was wollte der Alte von ihm? In seiner Wohnung schaltete Jim alle Lampen an und kauerte sich auf dem Bett zusammen. Er wartete. Eigentlich wartete er auf sein Ende, doch er wollte es sich nicht eingestehen. Doch nichts geschah.

Nach einiger Zeit fiel die Anspannung von ihm ab. Er stand auf und begab sich in sein Wohnzimmer. Er setzte sich auf die Couch und schaltete den Fernseher an. Doch es kam nichts. Egal welchen Sender er einschaltete, er bekam kein Bild. Jim war schon deprimiert, als plötzlich ein Bild erschien, dass ihn erschaudern lies.

Er sah die kalten Augen des Alten und einen blutrote Schrift: „Du entkommst mir nicht. Du hättest mich nicht beleidigen sollen. Nun bist du dran!“ Dann wurde der Bildschirm wieder schwarz. Jim hatte nun Todesangst. Er hatte keine Chance. Dann hörte er Schritte im Hausflur. Sie machten direkt vor seiner Tür halt. Dann begann ein Scharren an der Tür. Es war regelmäßig und Jim war sich sicher, dass der Alte draußen vor der Tür stand. Dann, mit einem Mal, sprang die Tür auf. „Ich sagte doch, du entkommst nicht“, schrie der Alte. Jim spürte noch einen Schlag auf den Kopf, dann wurde alles schwarz.

Jim wachte in einem dunklen Keller wieder auf. Er sah fast nichts. Dann ging Licht an. Er lag auf eine Barke geschnallt, in einem in die Jahre gekommenen, verfallenen Keller. Vor ihm stand der Alte. Jim sah sich um. Neben der Barke lagen uralte Folterinstrumente. Rostige Messer und Federn lagen herum. „Was haben Sie vor?“, fragte Jim stotternd. „Ist das nicht offensichtlich?“, fragte der Alte in einem schrecklichen Ton. „Wer sind Sie?“, schrie Jim. „Ich bin Vanator. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Aber nun wollen wir doch anfangen. Kommt her, meine Kleinen, es gibt etwas zu fressen.“ Erst jetzt fiel Jim auf, dass überall Spinnen herumkrabbelten. Wie auf Befehl kamen sie alle zu Vanator und bildeten einen schwarzen Teppich zu seinen Füßen. Der Alte nahm ein rostiges Messer vom Boden und begann, Jim langsam den Arm abzuschneiden.

Jim schrie und schlug um sich, doch Vanator ließ sich nicht beirren. Erst als er den Arm abgeschnitten hatte, hob er diesen auf und warf ihn den Spinnen zu seinen Füßen zu. Wenige Sekunden später war der Knochen sauber abgenagt. „Nun, meine Kleinen, das reicht fürs erste.“ Er wendete sich an Jim. „Ich komme wieder, wenn sie hungrig sind. Viel Spaß in deinem neuen Leben.“ Jim wusste nicht, was der Alte damit meinte. Er sah, wie sich Vanator in Spinnen auflöste und wie der Raum um ihn verschwand. Plötzlich wurde Jim kalt. Er sah sich an und bemerkte, was geschehen war. Er saß als einarmiger Bettler unter einer Laterne in einem russischen Dorf.

Von: Duschvorhang

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