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Warum antwortete seine Freundin nicht? Der dreiundzwanzigjährige Jan betrachtete den Chatverlauf.

Zuletzt online 13:49 Uhr

 Die Nachricht hatte er ihr einige Minuten vorher geschickt, sie hatte sie auch gelesen, aber geantwortet hatte sie nicht. Er war besorgt. War etwas mit ihr geschehen? War sie krank? Scharfe Besorgnis durchstach die Brust des jungen Mannes, weswegen er aufstand und zum Haus seiner Freundin, Nina, und ihrer Eltern fuhr. Er parkte in der leeren Lücke, wo eigentlich das Auto ihrer Eltern stehen sollte und joggte zu ihrem Hauseingang. Das Versteck des Ersatzschlüssels kannte er, weswegen er ganz einfach ins Haus konnte. Sofort begann er zu suchen und bewegte sich in Richtung ihres Schlafzimmer. Doch aus diesem Raum hörte er Geräusche. Langsam schlich er hin und linste durch den offenen Türspalt in das abgedunkelte Zimmer. Was er sah, drehte ihm den Magen um. Sie... Schlief mit jemandem. Wut überrollte ihn. Er wollte in das Zimmer stürmen und diesen Bastard blutig schlagen. Die Schlampe und ihr Bettpartner vögelten allerdings fröhlich weiter, Jan verließ das Haus. In seiner Brust pochte Schmerz. Zittrig nahm er sein Handy und schrieb drei einfache Worte. 

Ich mach Schluss

Doch dann löschte er sie wieder. So nicht... Er wollte sich rächen. Also strich er sich durch die vollen, hellbraunen Haare und fuhr mit einem Lächeln auf den Lippen wieder nach Hause. 

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Seine intensiven, grünen Augen scannten den Laptop. Er wollte einen Weg finden, um sich zu rächen. Sein Herz blutete förmlich. Schmerz jagte mit jedem Herzschlag durch seinen Körper. Da... Ein Video... Jedoch bloß kindische Sachen. Er wollte etwas, was sie so sehr verletzen würde, wie sie ihn verletzt hatte. Im... Deep Web fand er etwas. 

Vendetta et Remissio

Er blinzelte. Diese Website sah interessant aus. Die Worte bedeuteten 'Rache und Vergebung'. Er scrollte durch die Website. Eine Anleitung war zu sehen. Zum heraufbeschwören zweier Dämonen. Sie waren ein Team oder so. Jedoch konnte man nur einen auf einmal heraufbeschwören. Entweder die Rache oder die Vergebung. Aber Jan wollte ihr nicht vergeben. Er wollte Rache. Er begann zu lächeln und las sich die Anleitung der Beschwörung durch. Zum Schluss war noch ein Anhang verlinkt. Diesen klickte er jedoch nicht an, da er ihn für unnötig hielt. Wahrscheinlich waren da eh nur irgendwelche Bilderlinks oder so'n Scheiß. Erneut las er sich die Gegenstände durch, die man benötigte. Eine goldene Narrenmaske, eine weiße Kerze, die schon angebrannt ist, etwas von seinem eigenen Blut, welches man in die Vertiefung der angebrannten Kerze machte und letztlich einen persönlichen Gegenstand oder das Haar der Person, an der man sich rächen möchte. Er lehnte sich etwas in seinem Bürostuhl zurück und überlegte, wo man so ne Scheiße, wie eine goldene Narrenmaske, herbekommen sollte. Nach einer Weile erinnerte er sich, dass er irgendwann einmal in einem ein Euro Laden so eine gesehen hatte. Die Maske würde wohl kaum komplett aus Gold bestehen müssen. Ob es deswegen irgendwelche Probleme geben würde? Er hoffte nicht. Zur Sicherheit las er sich nochmal alles genauestens durch. Als er sich sicher war, dass nichts mehr schiefgehen konnte, stand er auf und besorgte sich die Gegenstände, die er benötigte. 

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Nirgends wurde explizit erwähnt, dass dir Beschwörung Nachts oder im Dunkeln stattfinden muss, dennoch wartete Jan darauf, dass es Nacht wurde. Alles war bereit. Zittrig wartete er, legte alles zusammen. Er zitterte, weil er aufgeregt war. Voller Euphorie. Nicht, weil er sich fürchtete. Als er sich in den Daumen schnitt, um das Blut in seine weiße Kerze zu tröpfeln, welches ein einfaches Teelicht war, spürte er keinen Schmerz. Vorsichtig zündete er den Kerzendocht an, das schmelzende Wachs wurde erst farblos, dann färbte es sich mit dem Blut rot. Neben der Maske lag ein kleiner Anhänger, den seine Freundin hier vergessen hatte. Den Anhänger tunkte er in das rote Wachs. Als es abgekühlt war, glitzerten einzelne Blutstropfen, da sie sich nicht vollkommen mit dem Wachs verbunden hatten. Das Blut ließ er auf die Maske tropfen. Danach pustete er die Kerze aus und schüttete das heiße, flüssige Wachs auf die Maske. Daraufhin flüsterte er einige Worte, die er selbst nicht verstand und den Namen seiner Freundin. Zum Schluss wisperte er: »Möge Vendetta dir noch größeren Schmerz zufügen als du mir!« Er sah zwar kaum etwas, doch etwas bemerkte er ganz deutlich. Die Maske leuchtete ganz schwach golden auf. Und dann fühlte Jan sich dumm. Einfach nur blöd. Warum machte er sowas überhaupt!? Das war doch eh bloß eine Verarsche. Er seufzte entnervt und schaltete das Licht an. Dann packte er alles zusammen, warf die Maske in den Müll. Ebenso den Anhänger und die Kerze. So stand das ebenfalls in der Anleitung. Alles beseitigen. Er lachte freudlos auf und ging ins Bett. Das war nicht das erste Mal, dass er verarscht wurde. Schmerzlich dachte er an seine Freundin. Er sollte Schluss mit ihr machen. Aber nicht jetzt. Jetzt musste er erst einmal schlafen. 

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Lautes Klingeln an seiner Haustür weckte den jungen Mann. Genervt stand er also auf, um nachzusehen, wer da klingelte. Schon beinahe dabei zu motzen, öffnete er also die Tür. Und noch ehe die Worte seine Kehle verlassen konnten, erstarben sie. Da stand die Polizei. Verdammt. Hatte er was verbrochen? Ein illegales Video heruntergeladen? Irgendwas? Seine Gedanken rasten, doch die Polizei überbrachte eine ganz andere Nachricht. 

Nina hatte einen Unfall gehabt. 

Im Wald war sie von einem herabstürzenden Ast durchbohrt worden. Sie hatte schwere innere Verletzungen und lag auf der Intensivstation. Er dachte an nichts mehr. Bedankte sich tonlos dafür, dass sie ihm das mitgeteilt hatten. Dann, als die Polizei verschwunden war, fuhr er schweigend zum Krankenhaus. Er wurde sofort zur inzwischen verarzteten Nina gebracht. Ihre Eltern saßen bei ihr, beide tränenüberströmt. Nina lag, bloß halb bei Bewusstsein, in einem Krankenhausbett und blinzelte kaum. »Nina...«, murmelte Jan leise und legte seine Hand auf ihre. Sie wimmerte leise. »Du hast mich betrogen, Nina.« Seine Stimme war eiskalt, die Eltern seiner Freundin keuchten erschrocken. »Ich mach Schluss mit dir.« Tränen füllten die Augen des Mädchens. Sie weinte stumm. Die Eltern der jungen Frau schrieen Jan an und waren vollkommen empört. Auf seinem Gesicht lag jedoch ein Lächeln. »Vendetta...«, hauchte er. Und plötzlich schrie Nina wie am Spieß. Jan drehte sich langsam zu seiner Ex um. Auf ihrem Brustbereich breitete sich ein schwarzroter Fleck aus, winzige Käfer und sich windende, weiße Larven fraßen sich durch sie durch, zerschnitten den Stoff der Krankenhauskleidung und krochen über das Mädchen, bloß um sich woanders wieder in sie hineinzufressen. Die Mutter Ninas fiel in Ohnmacht, der Vater war zu überfordert, um irgendwas zu machen. Jan selbst sah nur lächelnd zu, wie seine Ex gefressen wurde. Sie verdrehte ihre Augen so weit, bis man nur noch das Weiße sah. Das Gerät neben ihr, welches ihren Herzschlag zeigte, begann, nachdem er immer schneller wurde, durchgehend zu piepsen. Ein vollkommener, hoher Ton, welcher Jan zum Lachen brachte und den Vater des Mädchens zum weinen. Vendetta hatte ihr tatsächlich noch mehr wehgetan, als Nina ihm! Das brachte ihn noch heftiger zum Lachen. Jedoch verstummte sein Lachen nach einer Weile. Ein goldener Schimmer umschloss die Leiche des Mädchens. Der Schimmer verfestigte sich irgendwie. Plötzlich trug Nina ein goldenes Narrenkleid und die goldene Maske einer Närrin. Sie schien aus purem Gold zu sein und die kleinen Glöckchen an den Zipfeln der Maske klingelten leise. Sie richtete sich auf. Panik schlich sich in den Geist von Jan. »Hallo, Jan...«, wisperte Nina. Nein. Vendetta. Ihre Stimme war lieblich, doch gleichzeitig unglaublich dämonisch und grausam. Der Vater schrie laut und weinte. Das nahm Jan jedoch kaum wahr. Vendetta kicherte eisig und kroch auf Jan zu. Sie kroch über das einst weiße Bettlaken, ein Würgereiz kam in Jan hoch, da ihn die Bewegungen an die eines Zombies erinnerten. Schleppend, schwer und doch gleichzeitig viel zu schnell. »Es hat Spaß gemacht, Rache zu nehmen... Doch jetzt... Möchte ich meine Bezahlung!« Sie begann, zu lachen, seine Pupillen weiteten sich. Vendetta schüttelte heftig ihren Kopf und die Glöckchen klingelten extrem schrill und laut. Jan konnte den Ernst der Lage kaum erfassen, da kippte er nach hinten auf den Boden. Über dem Körper des Jungen schwebte ein grünes Licht, das von der Maske aufgesogen wurde. »Eine fantastische Seele!«, kicherte die Dämonin, legte sich zurück ins Bett und verschwand in einem goldenen Schimmer. Das letzte, was der am Boden kauernde Vater der Toten von Vendetta hörte, war ein leises »Wenn er doch den Anhang gelesen hätte...« 

Als der Schimmer verschwunden war, lag da schließlich nur noch die zerfressene Leiche seiner Tochter. Durch das laute Klingeln der Glöckchen hatten seine Ohren begonnen zu bluten. In seinen Armen lag seine noch immer ohnmächtige Frau. 

Zeitungsbericht des darauffolgenden Tages.
 

Die Nachricht verbreitete sich beinahe schon wie ein Lauffeuer. Die zweiundzwanzig Jahre alte Nina G. starb gestern Mittag an mysteriösen Umständen. Nach einem Unfall im Wald wurde sie im Krankenhaus eingeliefert und war auch schon auf dem Weg zur Besserung. Jedoch starb sie nicht an ihren Verletzungen, sondern daran, dass sie von innen heraus von Insekten und Larven zerfressen wurde. Ihre Mutter, Christina G., fiel laut ihrem Ehemann und Vater Ninas, Walter G., sofort in Ohnmacht. Am Bett der Leiche wurde auch der Freund der jungen Frau, Jan F. tot aufgefunden. Laut Walter G. Soll angeblich er seine Tochter getötet haben, indem er einen Dämonen auf sie gehetzt hatte, welcher schließlich auch ihn niederstreckte. Er hatte angerissene Trommelfelle, welche er auf den Dämon zu schieben versuchte. Man befand ihn daraufhin als verdächtig und psychisch labil, weshalb er in Untersuchungshaft genommen wurde. Es droht ihm ein Verfahren wegen zweifachen Mordes und wahrscheinlich eine Sicherheitsverwahrung in der Psychiatrie. 

Das einzige, was jedoch extrem seltsam ist, ist die Tatsache, dass kein Arzt etwas mitbekommen hatte. Die Überwachungskameras hatten zu der Zeit eine Wartung gehab, da es anscheinend Probleme gab. Laut Herrn G. soll seine Tochter extrem laut geschrien haben, doch auch das hatte niemand gehört und somit konnte nichts bewiesen werden.

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