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Auf einem modrigen Holzstuhl sitzend, schaue ich dich an. Mein Körper ist ganz kalt. Er zittert. Aber es ist nicht nur die Kälte, die meinen Körper durchfährt. Es ist Wut. Wut über das, was mit mir geschah, mit meiner Seele. Doch du weißt, warum mein Körper derart zittert. Du weißt es ganz genau, ich sehe es dir an. Deine roten, verquollenen Augen und deine feuchten Wangen, die nach salzigen, bitteren Tränen schmecken, sobald ich an eben diesen lecke, verraten mir, dass du es eigentlich nicht tun willst, aber du weißt, dass du es musst. Du bist nichts als eine Schande für meine Seele.


Verbrenne mein Herz.


Es ist alleine deine Schuld, die dich dazu bringt mir meinen Wunsch zu erfüllen. Mit einem Ruck reiße ich mein Hemd auf. Wie paralysiert betrachtest du meine muskulöse Brust. Jene Brust, die dich beschützt hatte;  jene Brust an der du dich ausweinen konntest, an der du dein wunderschönes Antlitz gelegt hast. Mir war nie klar gewesen, was dir gefehlt hatte. Nie hast du deine Wünsche mir gegenüber geäußert, doch meine ignoriert. Welcher andere Mann auf Erden könnte dir so etwas bieten? Wer würde dir denn damit zeigen, dass er dich beschützen würde? Niemand! Niemand außer ich! Aber das scheinst du all die Jahre über nie verstanden zu haben. Wie typisch für dich. Neben dir liegt Werkzeug. Seit Stunden ist es unberührt. Dabei hatte ich es extra für dich bereitgelegt. Jedoch hast du dich nur geweigert und dich heulend auf dem Teppichboden unseres Schlafzimmers zusammengekauert. Ich lächele. Wie lange muss ich denn noch warten, bis du es tust?


Verbrenne mein Herz.

 

„Mach los doch!“, schreie ich dich an. „Komm schon! Schneide meine Brust auf und verbrenne endlich mein Herz!“ Endlich kommt eine Reaktion deinerseits. Langsam, aber mit zittrigen Händen greifst du nach dem Messer und dem Feuerzeug in der Nähe. Mühsam stehst du auf und wagst einen wackligen Schritt nach dem anderen zu mir. Natürlich könnte ich das alles auch selbst in die Hand nehmen, aber das wäre zu einfach. Warum sollte ich mich selbst töten, wenn der Mensch, der mir all das antat die Schuld trägt?


Zerreiß mich ein letztes Mal mit dir.


Ein scharfer Schmerz durchfährt meine Brust. Widerwillig beiße ich mir auf die Lippen. Der Schrei, der mir in der Kehle feststeckt darf nicht aus mir herausdringen. So würdest du nur nachgeben, aber das sollst du nicht. Du sollst deine Aufgabe erfüllen! Nach einer gefühlten Ewigkeit spüre ich endlich das Lebensorgan, dass mir schon unzählige Male gebrochen wurde. Doch dieses Mal wird es nicht einfach brechen… Nein, es wird brennen, das Feuer soll mich von innen heraus auffressen! Ich schaue voller Euphorie auf meine offene Wunde herab. Sie pulsiert ungemein und Blut quillt in besorgniserregenden Mengen heraus. Nun folgt der nächste Schritt.


Verbrenne mein Herz und treibe die Sucht aus mir heraus.


„Du weißt, was du tun musst,“ sage ich ruhig. Darauf vorbereitet jeden einzelnen Schmerz in meinem Körper verspüren zu können. Es soll mich auffressen. Ganz tief von innen heraus zerreißen. Nur ein stummes Nicken folgt deinerseits, ehe du die Flamme vor meinen Augen eröffnest. Die kleine Flamme, die vor meinen Augen flackert, zittert mit dir, während sich diese meinem Fleisch nährt. Mein Atem wird mit jeder Sekunde schneller. Doch es ist  nicht Angst, die mich beinahe zum hyperventilieren bringt. Es ist die Freude. Freude darüber durch deine Hand sterben zu können.

Endlich legst du das offene Feuer in meine Wunde hinein, das höllische Brennen und der daraus resultierende Schmerz lässt mich aufschreien. Meine Schreie erklingen im verzerrten und schmerzerfüllten Chor mit deinem Weinen. Aber noch ist es nicht vorbei. Noch fehlt etwas, was mir folgen wird.

 

Und dann verbrenne ich den Schmerz, den ich seit Jahren ignorier!

 

Schwer atmend und mit letzter Kraft ziehe ich dich zu mir. Es gibt da etwas, was du wissen musst. Ich will es dir sagen, dir ins Ohr flüstern, ehe ich von dieser beschissenen Welt gehe. Du bist gezwungen in mein schmerzverzerrtes Gesicht zu sehen, doch mein Gesicht zeichnet nicht die Schmerzen aus, die mein Körper in diesem Moment empfindet. Nein, es sind die Schmerzen, die meine Seele zum letzten Mal bei deinem Anblick ertragen muss.


„Ich habe dir geglaubt, ich habe dir verziehen. Ich gebe meinen Stolz nicht auf, auch wenn ich mich verlier. Auf einmal bin ich wach, auf einmal bin ich - ICH und nochmal beherrschst du mich nicht. F*ck dich!“


Kaum sind meine Worte ausgebrochen, schon weitest du deine Augen. Ein leises Wimmern ertönt aus deiner Kehle, so leise das ich mich anstrengen muss es zu hören, denn so langsam verschwimmt meine Sicht. Blut fließt aus deinem Mund hinaus, schmeckt süßlich in meinem Mund, während ich dich zum letzten Mal küsse. Ich weiß nicht, warum ich es tue, doch es muss eine Art Sehnsucht sein, die mich durchfährt. Das Messer in deiner Brust hat auch dich zu mir gebracht. „Erkennst du dieses Lied?“, frage ich schwach. Meine Kräfte scheinen mich langsam zu verlassen. „Es war unser Lied gewesen. Durch das wir uns gefunden haben, aber wer konnte ahnen, dass einer von uns derjenige sein wird, der dieses Lied alleine singen muss, weil es der verdammten Wahrheit entspricht?“ Meine Stimme klingt gebrochen, obgleich ich drum bemüht bin meine Wut an dir herauszulassen. Aber das brauche ich nicht, denn mein Wunsch ist erfüllt. Ich gehe nicht alleine von dieser Welt. Nein du gehst mit mir, ich zerre dich mit mir in den Tot, denn erinnere dich an unser Lied, dass ich zu unserem Tod leise singe:


"Ich verbrenne mein Herz und treibe die Sucht aus mir heraus.

Ich verbrenne dein Licht und nehm den letzten Schlag in Kauf.

Ich verbrenne mein Herz, zerreiß mich ein letztes Mal mit dir.

Und dann verbrenne ich den Schmerz, den ich seit Jahren ignorier!"


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 11:51, 5. Mai 2017 (UTC)

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