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Leere Gedankengänge kreisen durch meinen Kopf.
Aber Verzweiflung war wohl das vorherrschende Gefühl, dass mich fest wie in einem Schraubstock umklammerte.
Resigniert ließ ich die Tür in das Schloss fallen, presste mich an diese und versuchte den Inhalt des großen braunen Umschlages, den ich in meiner Hand hielt, zu erfassen.
So stand ich in einer verschlingenden Finsternis und brachte wimmernd hervor: „Ich werde sterben, ich werde elendig verrecken.”
Ich kniff meine Augen zusammen, versuchte die Laborergebnisse, die in diesem Umschlag lauerten, zu verdrängen.
Doch gelingen wollte es mir nicht.
Das Gespräch des behandelnden Arztes, dass vor wenigen Minuten stattgefunden hatte, gaben mir den Rest.
So blickte ich in die Dunkelheit meiner Wohnung, die in diesem Moment wie ein dunkles leeres Grab auf mich wirkte.
Hohl und dumpf erdrückte mich der sonst so vertraute Geruch, der mir immer ein Gefühl von Geborgenheit gab, bis ich es nicht mehr ertrug und meine Knie einfach nachgaben.
Ich rutschte die Tür entlang, bis ich am Fuße dieser in der Hocke landete.
Mit zitternder Hand warf ich den Umschlag in die gähnende Vertrautheit, wo dieser dann geräuschvoll liegen blieb.
Als würde es genügen, diese unumstößliche Wahrheit zu verbannen, aber ich wusste es änderte rein gar nichts.
Die Stimme des Arztes schwamm durch meinen Verstand und ich hörte wieder die grausame Prognose.
"Eine Chemotherapie ist leider keine Option, denn..."
Meine Atemzüge wurden kürzer, als sich eine schwarz sickernde Panik in mir breitmachte, ich spürte, dass ich einen Zustand erreichte, da mein verleugnender Verstand langsam aussetzte.
"Die Metastasen haben gestreut und deshalb..."
Ein drückender Kloß entstand in meinem Halse, als ich nun doch schlagartig wusste, das ich nur neunzehn Jahre alt werden würde.
„Ich will nicht sterben”, röchelte ich, als eine kribbelnde Taubheit meinen Körper erfasste, „ich will nicht sterben.”
Über meine zusammengepressten Augenlider drangen Tränen hervor, die lautlos auf meine Knie fielen, die ich fest an meine Brust gedrückt hatte.
Ich verlor mich in eine Aussichtslosigkeit, die eine schwarze Einbahnstraße meines Lebens bedeutete.
Dabei hatte ich immer darauf geachtet, mich gesund zu ernähren.
Ich rauchte nicht, trank keinen Alkohol und hatte mich immer sportlich betätigt.
„Aber all dies ist nichts mehr wert”, dachte ich.
„Sechs Monate”, hauchte ich mir zu, und diese sickernde Panik verwandelte sich in pures Entsetzen.
Übelkeit umarmte meinen Magen, der sich verkrampfend meldete.
Dieses Krampfen bahnte sich einen Weg bis hin zu meinem Rachen, wo es sich bitter und gesäuert verbreitete.
Widerlich ergoss sich, es konnte sich nur um Galle handeln, alles in meine Mundhöhle.
Es wurde mehr nach oben gedrückt, und ich verschluckte mich an einem Mix, bestehend aus Speichel, Galle und irgendeinem metallischem Geschmack.
Hustend und mich weiter übergebend versuchte ich diesen ganzen Dreck aus meiner Luftröhre zu bekommen.
Nachdem ich mich beruhigt hatte und wieder atmen konnte, versuchte ich den Lichtschalter, der sich über mir befinden musste, zu erreichen.
Irgendwann fühlte ich den Lichtschalter über mir und betätigte diesen.
Das grelle Licht der Lampe, die an der Decke hing, tat in meinen Augen weh, und erst nach wenigen Sekunden ließ dieser Schmerz nach, verschwommen erkannte ich die Sauerei vor meinen Füßen.
Ein kleiner See, bestehend aus stinkender Galle und Blut, hatte sich auf dem Teppichboden vor mir ergossen.
„Blut, ich kotze Blut”, stellte ich erschrocken fest, „ich werde wirklich sterben.”
Eine hohe Mauer, auf der Ausweglosigkeit stand, baute sich vor mir auf, ein Schicksal, dem ich nicht entrinnen konnte.
Unausweichlich würde ich darauf zusteuern.
Erdrückende Stille, die mich surreal verschlang, verzerrte alles in meiner eigenen Wohnung.
Es fühlte sich so irreal an, als glaubte ich, in einem Traum zu schweben, der sich langsam, aber sicher in einen Alptraum verwandelte.
Langsam und immer noch leicht zitternd erhob ich mich letztendlich aus dieser Lethargie und suchte langsamen Schrittes den braunen Briefumschlag, den ich noch Minuten zuvor in die Dunkelheit geworfen hatte.
Aus den Augen, aus dem Sinn, doch so funktionierte es in diesem Fall wohl eher nicht.
Er war auf dem zweisitzigen Sofa gelandet und strahlte von dort eine unheilvolle Aura aus.
Etwas Falsches und Beängstigendes ging von ihm aus, dabei bestand der Inhalt nur aus Papier und Druckerschwärze.
Doch nicht für mich.
Für mich verkündete der Inhalt das Ende meines Lebens.
Minutenlang stand ich einfach nur da und starrte ihn an, in der Hoffnung, er würde einfach so verschwinden, wäre nur eine Einbildung meines verdrehten Verstandes.
Doch das geschah natürlich nicht, er lag weiterhin einfach nur da und verhöhnte mich.
Hämisches Grinsen, in einer braun verpackten Hülle, überrollte mich, und ich ertrug es nicht länger.
Ich stürzte mich auf ihn und fing an, ihn in winzige Stücke zu zerreißen, während mir dicke Tränen über die Wangen liefen.
Zerbrochenes Herzschlagen vermischte sich mit verzweifeltem Entrinnen, und ich versuchte es einfach zu verleugnen.
Nur wusste ich zu gut, dass dies ein nutzloser Versuch war, diesem Irrsinn zu entkommen.
Ich brach zwischen den ganzen Papierfetzen zusammen und weinte hemmungslos meine Furcht vor dem bevorstehenden Tode hinaus.
Aus meinem Schluchzen wurde lautes Schreien.
Ich drückte mein Gesicht in die Sitzfläche des Sofas und schrie einfach.
Ein letzter verzweifelter Kraftakt eines zerrüttenden Verstandes, der langsam in mich eindrang und die Wahrheit akzeptieren musste.
Es musste gefühlte Stunden gedauert haben, als meine Stimme letztendlich versagte und ich, hysterisch kreischend, erschöpft auf dem Sofa lag und mich leer geschrieen hatte.
Ich starrte an die Decke. Dann schlief ich ein.

Autor: Bloody Tears 666

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