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„Ein Stück noch!“ rief Unnoticed von oben. Er stand auf dem großen Kamin der Villa,in der Violett,ihr Panther Oskar und seit neustem auch er wohnten. Violett zog das riesige Bild,das sie gemeinsam von der Wand genommen hatten,ein Stück zurück,und das Ende am Kamin krachte zu Boden. Unnoticed atmete erleichtert auf. Violett zog und zerrte das Gemälde an eine Wand und legte es ab. „So! Hat doch wunderbar geklappt.“ Unnoticed,den Violett inzwischen als einen kleinen Bruder ansah,stand neben ihr und gähnte ausgiebig. „Vivi,bringst du mich hoch?“ Violett nickte und nahm den Jungen auf die Schultern. Er lachte und kreischte: „Nich so schnell!“ Und Violett trug ihn hoch bis vor seine Zimmertür. Sie öffnete die schwere Tür und taumelte zum Bett. Das bequeme,alte Himmelbett stand direkt neben dem Fenster. Es hatte den wohl schönsten Ausblick im ganzen Haus,auf den Garten und den dunklen,dichten Wald. Violett ließ ihren Bruder vorsichtig in das Bett fallen und schnaufte erleichtert. Obwohl der 8 jährige spindeldürr war,hatte er doch sein Gewicht. Oskar war ihnen gefolgt und sprang auf das Fußende des Bettes. Unnoticed zog sich die Decke bis zur Nasenspitze hoch und man hörte seine Stimme gedämpft. „Ich freu mich schon auf Morgen! Mit dir zusammen an der Liste arbeiten...“ Violett lachte und strich die Bettdecke glatt. „Kann ich mir vorstellen. Endlich kannst du mal zusehen,wie ich arbeite. Gute Nacht Lockenkopf!“ Der Junge nuschelte etwas und grub sich tief in das warme Bett,bis nur noch seine Blonden,langen Locken zu sehen waren. Violett verließ den Raum,lehnte die Tür aber nur an.

Unnoticed bekam gelegentlich Panikattacken,weshalb Oskar bei ihm blieb bis er eingeschlafen war. Sie ging wieder in die große Halle,feuerte den Ofen an und ließ sich in ihren Sessel fallen. Ihr Blick glitt durch den weitläufigen Raum. An der Garderobe hing ihr blauer Mantel und eine braune,dicke Winterjacke von Unnoticed,die Violett bei einem ihrer Streifzüge hat mitgehen lassen. An den Wänden hingen Leichen,alle auf die gleiche Art zu verstörenden Puppen verarbeitet. Ihr Blick fiel auf das Gemälde,das an der Wand lehnte. Ihre Eltern sahen so glücklich aus auf diesem Bild,als wollten sie das dunkle,abnormale Wesen,das ihre Tochter darstellte,durch das Lächeln verdecken. Violett' s Augen weiteten,als Gedanken,die sie längst verdrängt hatte,sich vor ihr geistiges Auge schoben. Sie war plötzlich wieder in ihrem alten Zimmer unter dem Dach. Unter ihr hörte man das geschäftige Treiben der Bediensteten. Doch es drang nicht in den Sturm der Gedanken,der durch Violett' s Kopf wehte. Denn sie war nicht allein. Violett versuchte,dieses grausame Treiben in ihrem Kopf wieder in den Käfig zu schließen,in dem es 6 Jahre lang geschmort hatte,doch es krallte sich in ihrem Kopf fest. Tränen schossen ihr in die Augen. Sie roch es wieder,ihr kalter Angstschweiß,vermischt mit den Gerüchen ihres Vaters. Sie spürte ihn wieder,den stechenden,unendlichen Schmerz,der sich durch ihren ganzen Körper zog. Sie hörte es wieder,ihr gebrochenes,dünnes Stimmchen,das um Hilfe flehte. Ihr ganzer Körper zitterte und heiße Tränen flossen ihr über die Wangen. Das kranke Schauspiel endete damit,das die Tür geschlossen wurde und sie allein,blutend und verstört zurückblieb. Violett drückte sich die Hände auf die Augen und versuchte,ihren Atem wieder in ein normales Tempo zu bringen. Erst jetzt fiel ihr auf,das Oskar neben dem Sessel saß. Er legte seinen Kopf auf ihren Schoss und schnurrte tief und beruhigend. Als Violett sich einigermaßen gefasst hatte,stand sie auf. Ohne genau zu wissen,was sie tat,ging sie die Treppe hoch.Oskar wollte ihr folgen,doch sie bedeutete ihm sitzen zu bleiben. Auf dem Weg nach oben schloss sie leise Unnoticed' s Zimmertür. Am Ende des Flures ging eine steile,schmale Treppe hoch. Unnoticed näherte sich der Treppe nicht weiter als 3 Meter,und Violett wusste warum.

Schwarze Schatten wirbelten wie ein Meer um die Stufen,Schatten dessen,was im oberen Zimmer passiert war. Doch Violett ging direkt durch das Schattenmeer. Vor der Tür des Zimmers blieb sie stehen. Sie hörte wieder ihre Stimme,wie sie flehte und wimmerte. Entschlossen öffnete sie die Tür. Der Raum war dunkel und roch muffig. Am Ende des Zimmers bewegte sich etwas. Ein Mann,abgemagert und müde,hob den Kopf. „Claire...“ Violett knurrte ihren Vater an und schloss die Tür. „Claire gibt es nicht mehr! Ich bin jetzt Violett.“ Ihr Vater sah sie an,in seinen trüben blauen Augen spiegelte sich Trauer. „Was hast du jetzt vor?“ Violett packte den Mann am Arm und zerrte ihn auf das Bett. „Erinnerst du dich,was du getan hast? Was du mir angetan hast?“ Ihr Vater senkte den Blick vor Reue,doch sie drückte ihm den Kopf hoch. „Du hast mein Vertrauen missbraucht,hast mich benutzt und kaputt gemacht wie ein Spielzeug. Aber jetzt ist Schluss. Jetzt bist du das Spielzeug.“ Sie zog ein Messer aus der Tasche und wollte den Hals ihres Vaters aufschneiden,als dieser ihre Hand packte. Entsetzt sah sie zu den rostigen Handschellen. Sie waren durchgerostet. Mit erstaunlicher Kraft drückte der Mann die Hand weg und drehte Violett auf den Rücken. Jetzt lag er über ihr,ein krankes Grinsen im Gesicht. „Du musst wohl noch üben...“ Er nahm ein paar alte Hemden vom Boden und band ihre Arme an das Bett und zerriss ihr Hemd. Wieder flossen Tränen über ihre Wangen,und bis Oskar bemerkt hatte,das etwas nicht stimmt,hoch gerannt und den Mann von seiner Herrin gezerrt und zerfleischt hatte,war es zu spät. Violett starrte noch lange an die Decke und weinte stumm. Blut quoll aus ihrem Mundwinkel und Oskar legte sich neben sie. Wieder war es passiert. Wieder hatte sie versagt...

Violett's Liste

Violetts Liste 2 - Unnoticed

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