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Dunkelheit

Obwohl die Innenstadt heller erleuchtet war, als die Sonne scheinen konnte, spürte Violett in jede Richtung Dunkelheit. Sie war in jedem dieser fröhlichen, unbeschwerten Menschen, die vor Eisdielen saßen und lachten. Die durch Läden spazierten und sich neue Sachen kauften. Selbst die Kinder, die sich im Brunnen am Festplatz gegenseitig nass spritzten hatten etwas Dunkles. Doch Violett suchte nach etwas anderem. Sie suchte die Leute, in denen die Dunkelheit bereits das Zepter übernahm und sie kontrollierte. Sie hatte ihre langen, schwarzen Haare mit einem Band zurück gebunden, farblich genau gleich mit ihrem langen, blauen Lieblingsmantel. Darunter trug sie ein kurzes, schwarzes Sommerkleid und schwarze Stiefel. Ihr Lieblingsoutfit für warme Tage.

All ihre Sinne tasteten die Ecken der Einkaufsstraßen ab. Eigentlich mied Violett Orte mit vielen Menschen, aber die Liste brauchte neue Namen. Als sie gerade aufgeben wollte für heute, war es, als würde sie überrollt. Eine Welle kalter, schwarzer Leere umschloss sie und Violett konzentrierte sich auf das, was sie fühlte. Es war wie ein Schatten.... er balancierte auf der schmalen Gerade zwischen Leben und Tot. Dieser Schatten schien ein Tor, ein Tor in eine leere Welt. Violett folgte dem Gefühl und stand schließlich ein paar Meter vor einem kleinen Jungen.

Er war vielleicht 8 oder 9 Jahre alt und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Sein müder, trauriger Blick folgte den Passanten. Er hatte strohblonde Locken und trug ein beigefarbenes Hemd, dazu eine Braune Stoffhose. Schuhe hatte er keine. Violett konnte im ersten Moment gar nicht glauben das der Junge tatsächlich die Quelle dieser Dunkelheit war. Aber es stimmte. Aus sicherer Entfernung beobachtete sie ihn. Da Oskar nicht dabei war, wollte sie kein Risiko eingehen.

Der Junge bewegte sich den ganzen Tag nicht vom Fleck. Erst gegen Abend setzte er sich langsam in Bewegung. Er ging einen Trampelpfad entlang, durch den Wald und schließlich blieb er vor einer Waldhütte stehen. Er sah sich um, zog den Schlüssel und schloss auf. Noch einmal sah sich der Junge um, dann verschwand er im Haus. Violett und Oskar waren ihm im Schatten gefolgt. Violett, die dem Jungen den Spitznamen 'unnoticed' gegeben hatte, schlich zu der Eingangstür und drückte. Sie ging auf! Leise schlich sie in die Hütte.

Die Holzwände ließen den Raum wärmer erscheinen, dennoch spürte Violett die unnatürliche Kälte. Sie gab Oskar ein Zeichen, dass er draußen warten sollte, und ging den kurzen Gang runter. Anfangs gab es nur gewöhnliche Zimmer wie ein Wohnzimmer. Doch dann wurde es interessant. In der Küche waren große Pfützen auf dem Boden, die Violett sofort als Blut einordnen konnte. Sie zuckte zusammen, als von irgendwo weiter hinten eine Stimme zu ihr drang. Sie folgte ihr. "Heute hab ich hinter dem Haus Blumen gepflanzt. Sogar deine Lieblingsblumen Mama!" Das war der Junge. Doch von der eben angesprochenen Mutter kam keine Antwort. Als Violett um die Ecke in den Raum lugte, wusste sie warum. Der Junge saß am Ende des Raumes hinter drei Tassen Kakao. jeweils neben ihm saßen zwei Menschen. Ihre Augen waren heraus genommen worden, ihre Münder zugenäht und zu einem Lächeln verzogen. Die Arme hatte man ihnen an die Wand genagelt, der Kopf lag schlaff auf der Brust. Der Junge nahm seine Tasse und sprach weiter.

"Oh, und Papa, heute hab ich Mrs. Petterson getroffen. Sie hat gesagt, ich soll dir ausrichten, dass du Morgen deine Präsentation mit zur Arbeit nehmen musst." Der Junge kicherte, und Violett konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Der Junge hatte es ihr irgendwie angetan. Doch ein anderes Geräusch erregte ihre Aufmerksamkeit. Ein knistern, wie von einem Kamin. Sie sah sich um, fand aber nichts. Doch das Geräusch wurde lauter. Sie ging nach draußen um das Haus zu inspizieren, da zerrte Oskar sie schon weg.

"He, was zur Hölle soll-" Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Das Haus stand in Flammen! Sie überlegte panisch, was sie tun sollte, da hörte sie es. Ein Schrei, ein so entsetzlicher, markerschütternder Schrei wie Violett ihn noch nie gehört hatte. Ihre Gedanken rasten, und ohne weiter zu überlegen rannte sie auf ein Loch zu, was sich in die Holzwand gebrannt hatte, sie sprang über die Flammen und sah sich mitten in der Flammenhölle. Glücklicherweise lag der Junge nicht weit weg auf dem Boden, und Violett konnte ihn mit Oskars Hilfe rauszerren.

Als Violett mit Oskar und dem bewusstlosen Jungen in Sicherheit war, musste sie immer wieder an die Grauenhaften Bilder denken. Ein stöhnen kam aus dem Mund des Jungen, er wurde wach. "W-was?...wo?..." Violett kniete sich neben ihn." Keine Sorge, du bist hier in Sicherheit. Ich bin Violett." Der Junge richtete sich auf und fragte: "Wieso hast du mich gerettet? Bist du ein Engel?" Violett lächelte. "Der Engel der Bösen. Sag, hast du Verwandte, bei denen du leben könntest?" Der Junge schüttelte den Kopf.

"Es will mich ja keiner. Sag..."er sah zu Boden. "Willst du nicht meine große Schwester sein? I-ich bin auch immer ganz lieb und nerv dich nicht!" Violett traf das wie ein Schlag. Ein völlig neues Gefühl bahnte sich den Weg durch ihren Körper. "Das wäre mir eine Ehre. Aber du musst bedenken, dass ich Leute auf brutalste und grausamste Weise umbringe!" Der Junge grinste. "Das ist doch das coole!" Jetzt musste Violett auch lachen. "Dann ist ja alles klar. Sag, wie heißt du?" Der Junge überlegte. "Meine sterblichen Namen hab ich vor langer Zeit vergessen. Magst du mir nicht einen geben?" Violett musste nicht lange überlegen. "Dann heißt du ab heute Unnoticed!“

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