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3:00 Uhr

Der Junge öffnet leise die schwere Holztür seines Heimes. Kühler Wind zieht durch den Flur und trägt das kaum hörbare, herzzerreißende Schluchzen seiner Mutter zu ihm. Tief getroffen fährt seine blasse Hand zu seiner Brust. Als unerklärliche Gefühle ihn einnehmen, macht er einen Schritt nach vorne, um aus dieser Qual auszubrechen. Er weiß längst, dass sie ihn in Wahrheit hasst. Sein schwacher Geist hält dieses gekünstelte Weinen kaum mehr aus, als er den Griff umfasst.


6:00 Uhr

Die klirrende Kälte dringt an seine Knochen, als er den Weg entlang läuft. Seine Schritte hallen über den verdreckten Asphalt, es ist finster um ihn herum. Nur wenige flackernde Laternen leuchten schwach, erhellen gerade einmal die Straße. Dennoch sind sie intensiv genug, um Scharen von Motten zu locken. Wie Verhungernde, denen ein köstliches Mahl vorgezeigt wird, umschwirren sie das Licht. Sollte es ihnen jemals gelingen, in die Lampen zu schlüpfen, so würden sie ihren Tod finden. Über diese Ironie nachgrübelnd, beschleunigt der Junge seinen Schritt und zieht die zerschlissene Jacke noch fester um sich.


9:00 Uhr

Immer schneller tragen seine Füße ihn fort, panisch blickt er sich um. Er hatte die andere Person zu spät bemerkt und als er im Augenwinkel das grässliche Aufblinken des Messers sah, war die bedrohliche Gestalt bereits ganz nahe gewesen. Nun erfüllen Keuchen und Schnaufen die zuvor lautlose Nacht, während seine Kräfte langsam schwinden. Die Beine brennen, das Herz schlägt ihm fast bis an die Rippen, die Schmerzen lassen seine Sicht verschwimmen. Oder sind es Tränen der Angst, die seine Augen füllen? Ohne den Weg sehen zu können, stolpert er letztendlich über einen kleinen, unbedeutenden Stein. Sein Blick trifft sich mit dem eines bleichen Jungen.


12:00 Uhr

Auf der nächtlichen Straße sitzt, stumm an eine steinerne Hauswand gelehnt, ein regloser Schatten. In seiner Brust steckt ein funkelndes Messer, dessen Klinge bereits von Blut getränkt ist. Seine Kleidung ist zerrissen und verdreckt, wie die eines heimatlosen Straßenkindes. Doch er ist nicht obdachlos. Zwar war seine Mutter eine sehr strenge Frau, aber er hatte bei ihr trotzdem ein Zuhause gehabt. Einen Ort, an den er nie wieder richtig zurückkehren würde. Plötzliche Geräusche nähern sich und es scheint fast, als würde sich das Kind, welches augenscheinlich tot ist, ein winziges Stück bewegen.

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