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November Bearbeiten

Obwohl ich wirklich absolut keine Ahnung habe, wer dein Vater ist, freue ich mich auf dich und unsere ganz und gar eigene, kleine Familie. Das erste Ultraschallbild in der elften Schwangerschaftswoche zeigt dich als einen vollkommen normalen Fötus im frühen Entwicklungsstadium: Kopf, Ärmchen und Beinchen sind schon zu erkennen und dein kleiner, flimmernder Herzschlag trieb mir bei der Untersuchung sofort die Tränen in die Augen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht nahe am Wasser gebaut.

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Heute habe ich erfahren, dass du ein Mädchen bist. Mein Glück ist komplett. Ich sehe uns: Wir beide, du und ich, ein unzertrennliches Mutter-Tochter-Gespann. Immer füreinander da, immer einander unterstützend und liebend. Gemeinsam werden wir durch Dick und Dünn gehen, einander beistehen. In guten, wie in schlechten Zeiten. Wie die Gilmore Girls.

Nachtrag: Meine Rory.

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Jänner Bearbeiten

Du wirst immer größer. Ich spüre, wie du wächst. Wenn du so rasend schnell weitermachst, wird es noch zu eng in meinem Bauch... Ich freue mich schon auf dich!

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Februar Bearbeiten

Du nimmst mir die Luft zum Atmen. Du presst mein Herz von Innen flach.

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März Bearbeiten

Ich wurde von starken Tritten in meinem Unterleib geweckt. Stöhnend vor Schmerz machte ich mich auf den Weg zur Toilette, um mich dort einige Male zu übergeben. Der Tumult in meinem Unterleib nimmt kein Ende. Kleine Glieder schlagen immer wieder auf meine Eingeweide und pressen sich von Innen mit Gewalt gegen meine Bauchdecke.

Arme.

Beine.

Arme.

Beine.

Ein Kopf.

Noch ein Kopf.

Arme.

Beine.

Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder.

Nachtrag: Ein Fausthieb gegen meine Bauchdecke, ein rumsen in meinem Unterleib. Seither ist es still. Ich kauere gerade am Fuß meines Schreibtischs. Ich bin erschöpft und habe Angst. Was ist geschehen? Geht es dir gut?

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Mein Bauch ist mit blauen Flecken übersät. Nach einer umfangreichen Untersuchung hat die Ärztin soeben stirnrunzelnd das Zimmer verlassen.

Nachtrag: Die Ärztin meint, sie hätte nichts Ungewöhnliches feststellen können und es gehe dir soweit gut. Sie meint auch, du bräuchtest jetzt vor allem Ruhe. Sie scheint nicht zu erkennen, dass du bereits Ruhe gefunden hast. Denn das in mir, nein, das bist nicht du. Das habe ich schon bei der Ultraschalluntersuchung erkannt. Was ich da gesehen habe, das bist nicht du. Eine Mutter erkennt ihr Kind. Das in mir, das habe ich nicht erkannt.

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Nach einem zweitägigen Krankenhausaufenthalt wurde ich heute in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich vermisse dich so sehr. Ich hätte dich so gerne bei mir gehabt, Rory. Stattdessen wächst jetzt in mir dieses... dieses Ding. Und die Ärztinnen und Ärzte füttern es, nähren es, päppeln es auf. Diese Narren.

Ich werde es töten.

Ich werde mich rächen, Rory.

Versprochen.

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Mai Bearbeiten

Wenn ich mir meine letzten Einträge so durchlese, schäme ich mich unendlich. Es tut mir so leid, Rory. Eigentlich wollte ich dir dieses Buch zu deinem 18. Geburtstag schenken... Jetzt würde ich es am liebsten verbrennen. Aber mein Therapeut ist der Meinung, ich sollte es aufbewahren. Als "Mahnmal", sozusagen.

Vielleicht wirst auch du irgendwann einmal die Wahrheit über deine Mutter erfahren: Eine verrückte Alte, die dich noch als Fötus fast erschlagen hätte.

Ich hoffe, du kannst mir irgendwann einmal verzeihen.

Ich war krank.

Ich bin krank.

Es tut mir leid.

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Es geht mir gut. Ich freue mich auf dich. Und ich bin schon jetzt so unendlich stolz!

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Juni Bearbeiten

Heute haben mich wieder schreckliche Schmerzen aus dem Schlaf gerissen. Du nagst an mir. Von Innen. Deine Nase, deine Stirn, dein sich immer wieder bewegender Mund. Die Schmerzen sind unerträglich, aber ich halte durch. Ich liebe dich, Rory. Und ich weiß, ich bilde mir das alles nur ein. Das ist nicht real.

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Rory, bist es wirklich du? Ich habe heute mit meinem Therapeuten gesprochen. Er hat beruhigend auf mich eingeredet, er meint, es wäre nur die Aufregung, weil du bald kommen würdest. Dein Geburtstermin ist für den 6. Juni errechnet. 6. Juni 2016. Zwei Tage. Ich freue mich schon so sehr. Hoffentlich wird alles gut.

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Heute ist dein errechneter Geburtstermin. Bisher bist du nicht gekommen.

Ich fühle mich so leer, Rory...

Seit drei Nächten nagst du mich von Innen leer, Rory.

Ich kann nichts essen. Ich kann nicht auf die Toilette. Das Atmen fällt mir schwer.

Aber wir gehen durch Dick und Dünn. Wir stehen einander bei. In guten wie in schlechten Zeiten. Nicht wahr, Rory?

Ich habe beobachtet, wie du immer weiter nach oben wanderst.

Ich trage dich unter meinem Herzen. Bald wirst du auch dort angekommen sein.

Und dann?

Nachtrag: Du bist soeben meinem Körper entstiegen. Das Krankenhauspersonal donnert schreiend mit den Fäusten gegen unsere Tür. Ich höre Sirenen. Ich habe dich erschlagen.

Es tut mir leid, Rory.

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