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"Wo bin ich hier?", frage ich mich. Es ist dunkel, so dunkel.

Und auf meine Frage gibt es keine Antwort.

Zartes Licht von flackernden, alten Lampen erleuchtet dieses modrige Labyrinth nur zu kleinen Teilen. Und der kalte Blick der Wände treibt mich noch in den Wahnsinn.

Ich höre es, das zarte Streichen. Wie ein Pinsel, der ganz leicht über alte Gemäuer streicht und doch in diesem riesigen Gemäuer wiederhallt. Das Tropfen von Wasser. Und meine Schritte auf dem steinernen Boden.

Wie oft bin ich nun schon nach links, nach rechts, nach links, nach rechts gegangen?

Immer wieder gehe ich einen anderen Weg, gehe niemals die selbe Richtung.

Der Trick ist, die Hand an die Wand zu legen und dem Pfad zu folgen, so erzählte man mir mal.

Doch was, wenn dieses Labyrinth für die Ewigkeit gebaut wurde?

Jede Abzweigung, jeder Gang sieht gleich aus. Modrig-grüne Wände, flackernde, alte Lichter.

Der Zweifel nagt an mir. Werde ich den Ausgang je finden?

Ich biege nach rechts ab und endlich ändert sich etwas. Ein vergilbtes Blatt Papier hängt an dem alten Gemäuer. Eine Botschaft. Anscheinend bin ich nicht der erste, der durch dieses Labyrinth irrt.

Vielleicht kann mir diese Botschaft helfen, hier herausfinden. Ein Funken Hoffnung breitet sich in meinem Kopf aus, doch die geschriebenen Worte sind weder ermutigend, noch hilfreich. Beängstigend wohl eher.

"WENN DU DIE SCHRITTE HÖRST LAUF", steht dort. Unordentlich gekritzelt, als hätte es jemand in aller Eile schreiben müssen.

Was für Schritte..? Ist noch jemand mit mir hier gefangen? Wenn ja, warum soll ich weglaufen?

Ein Ziehen macht sich in meiner Magengegend bemerkbar. Mein Herz rast. Der Schweiß läuft mir eiskalt über den Rücken, die Hände, die Stirn.

Ich muss hier raus. Ich muss schnell hier raus.

Schneller wird mein Schritt und ich biege immer wieder rechts und links ab, gehe geradeaus, biege rechts und links ab. Aber nie zurück.

Meine Schritte werden schneller und schneller und lauter. Ich weiß nicht mehr, ob ich jetzt meine Schritte höre oder ob es die sind, vor denen die Botschaft mich warnte.

Ich laufe, bis mir die Beine wehtun, bis sich ein Stechen in meiner Seite bemerkbar macht. Mein Atem wird immer schwerer.

Ich kann nicht mehr. Ich muss stehen bleiben. Lass mich nur kurz ausruhen...

Ich lehne mich an die Wand zu meiner rechten. Nein, hier waren keine weiteren Schritte außer meinen. Erschöpft atme ich tief durch und schließe die Augen.

Es flimmert und ich sehe farbige Sternchen.

"Mein Kreislauf...", denke ich.

Meine Knie sind wackelig, meine Hände zittern. Der Schweiß rinnt unerbittlich und eiskalt an mir herunter.

Plötzlich ein Klopfen. Direkt neben mir. Ein Klopfen an der Wand.

Blitzartig drehe ich mich in die Richtung des Klopfens, aber nichts ist da.

Fange ich jetzt schon an, mir Dinge einzubilden? Es muss der Durst sein...die Angst, die mich langsam kontrolliert.

Ich atme tief durch...

"Beruhige durch, komm runter...du musst hier raus, du musst hier raus, du musst hier raus."

Ich weine und falle auf die Knie. Immer wieder schreie ich: "Lass mich hier raus!"

Meine Schreie prallen an den Wänden ab. Und irgendwann kann ich nicht einmal mehr schreien.

Genau in dem Moment fängt das Klopfen wieder an. Ich erschrecke so sehr, dass ich stumm schreie.

Nur diesmal hört das Klopfen nicht auf. Es hört einfach nicht mehr auf. Immer wieder und immer schneller. Ich renne sofort weiter. Das Adrenalin schießt mnir in die Adern und ich renne weiter.

Das Klopfen wird immer lauter, immer schneller. Es scheint immer direkt neben mir zu sein, sogar wenn ich immer schneller renne.

Es wird immer lauter und lauter, als würden fünfzig Mann an die alten Gemäuer klopfen, aber ich kann einfach nicht stehen bleiben.

"Lass mich hier raus!", schreie ich aus ganzem Hals, aber das Klopfen wird von meinem Schrei nicht einmal übertönt.

Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr...ich schnaufe immer wieder vor mich hin. Meine Oberschenkel werden steif und warmer Speichel füllt meinen ganzen Mund. Und dieses verdammte Klopfen hört einfach nicht auf.

Ich bleibe stehen und lehne an der Wand. Ich atme durch. Ich kann nicht mehr...mein Kreislauf verabschiedet sich und ich rutsche auf den Boden.

Meine schweißgebadete, glühend heiße Stirn lehne ich an die kalte Wand. Es hilft.

Ich schließe die Augen und auf einmal wird mir bewusst, dass das Klopfen aufgehört hat.

Minutenlang bleibe ich sitzen. Noch nie war ich so dankbar, dass ich nur Wassertropfen hören konnte.

Gerade als ich aufstehen möchte, höre ich zwei Schritte hinter mir. Direkt hinter mir.

Langsam blicke ich über die Schulter. Ich schreie und mein Schrei hallt durch alle Gemäuer.



"Wo bin ich hier?", frage ich mich. Es ist dunkel, so dunkel.

Und auf meine Frage gibt es keine Antwort.

Zartes Licht von flackernden, alten Lampen erleuchtet dieses modrige Labyrinth nur zu kleinen Teilen. Und der kalte Blick der Wände treibt mich noch in den Wahnsinn.

Ich höre es, das zarte Streichen. Wie ein Pinsel, der ganz leicht über alte Gemäuer streicht und doch in diesem riesigen Gemäuer wiederhallt. Das Tropfen von Wasser.

Und auf einmal höre ich in der Ferne den dumpfen Schrei eines Mannes. Vielleicht bin ich nicht allein hier.


Schwarzwind (Diskussion) 15:16, 27. Jan. 2014 (UTC)

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