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Es kommt auf mich zu. Ein Pochen. Ein Wimmern. Ein Klagen. Was ist es? Warum kann ich es nicht ausmachen? Ist es ein Monster?

Ich verwerfe diesen lächerlichen, kindlichen Gedanken.

Wie nennt man es? Was ist das?

Mit einem Wimpernschlag öffnen sich meine Augen. Ich schiele, versuche mein Umfeld zu erkennen. Ich mustere meinen Körper, nur um festzustellen, dass ich in meinen Bett liege. Vorsichtig drehe ich meinen Kopf. Ein immer schneller werdendes Piepen ertönt. Seufzend rolle ich mich aus dem Bett. Betätige den Knopf vom Wecker und stelle so den unertragbar nervigen Lärm ab.

Ich stehe etwas wackelig auf. Meine Beine fühlen sich schwach an, hilflos. Ich schleppe mich ins Badezimmer. Blutunterlaufene Augen blicken in den Spiegel. Ich greife nach meiner Zahnbürste, nach der Zahnpasta und schließlich nach dem Becher.

Nach den Zähneputzen stelle ich mich in die Dusche. Das Wasser prasselt auf meinen Rücken. Ich lasse meine Gedanken schweifen: Irgendetwas fühlt sich falsch an. Irgendetwas ist nicht richtig. Aber was nur?

Wie nennt man es? Was ist das?

Ein Zittern durchfährt meinen Körper. Ich steige aus der Dusche und schaue mich um. Niemand zu sehen. Natürlich nicht. Wer würde mir schon in meinem Badezimmer auflauern. Nervös ziehe ich mich an. Ich fühle mich beobachtet, unwohl. Eine leichte Panik ergreift mich. Ich muss mich irgendwie ablenken…

Ich packe meinen Block und meine Stifte in die Tasche und verlasse meine kleine Studentenwohnung.

Als ich den Flur entlang gehe, begegne ich einer älteren Dame. Sie lächelt mich an. Irgendetwas stimmt mit ihr nicht. Ich weiß nicht was, sie wirkt eigentlich ganz nett. Aber etwas

Wie nennt man es? Was ist das?

stört mich an ihr. Hastig laufe ich an ihr vorbei, als ich spüre, wie mich ein kalte Hand packt. Sie hält mich fest im Griff und meine Panik wird größer.

„Entschuldigen Sie, junger Mann, könnten Sie mir helfen?“

Ich drehe mich vorsichtig um. Der Griff lockert sich. Ich starre in das lächelnde Gesicht der älteren Dame. Sie wirkte eigentlich ziemlich nett, sie hatte etwas Warmes, Nettes. Aber etwas war falsch. Irgendetwas war verdammt falsch an dieser Dame.

„Können Sie mir sagen, wo Zimmer 286 ist? Ich möchte meinen Enkel besuchen.“

Ihre Stimme klang beruhigend, beinahe singend, wie die einer älteren Dame, die schon einiges erlebt haben musste und nun ihre letzten Tage zufrieden zu Ende lebt.

Ich zeige mit der rechten Hand einen Gang entlang.

„Sie müssen dort geradeaus gehen und ungefähr am Ende des Gangs sollte das Zimmer sein.“, erkläre ich. Meine Stimme darf nicht zittern, darf keine Angst, keine Unsicherheit. Halt. Wieso eigentlich nicht? Kann sie mir etwas tun? Nein. Aber… warum habe ich dann dieses seltsame Gefühl, dieses seltsame Unwohl sein?

Die ältere Dame nickt und geht dankend an mir vorbei. Ein leicht muffiger Geruch verbleibt für wenige Momente. Ich schaue ihr kurz nach, bevor ich mich auf den Weg zum Klassenzimmer mache.

Auf dem Schulhof stehen eine Menge Leute, viele Jugendliche, viele Menschen, die ich kaum kenne. Eine Angst macht sich in mir breit. Warum schauen sie mich so seltsam an? Sehe ich aus, als hätte ich irgendetwas zu verbergen? Sehe ich wie ein Amokläufer, ein Drogendealer oder wie ein Junkie aus? Das ist doch lächerlich.

Ich schüttle den Kopf und gehe über den Hof. Den Kopf gesenkt und die kalten, starrenden Blicke meiner Mitschüler spürend. Warum habe ich nicht irgendeinen Hinterweg verwendet? Irgendeinen Weg, der dieses Gefühl verhindert, dieses

Wie nennt man es? Was ist das?

Gefühl, das derartige Macht auf mich ausübt. Ich muss hier weg. Ich halte diese Bedrücktheit nicht mehr aus.

Hastig biege ich in eine Abzweigung ein. Gehe ein Umweg. Scheiss drauf, selbst wenn es länger dauert. Ich will dieses Gefühl einfach nur noch loswerden.

Ich gehe den Weg entlang. Biege einmal rechts ab, zweimal links und dann lange gerade aus. Dabei beobachte ich meine Umgebung, die anderen Abzweigungen. Jeder Weg kann eine Gefahr darstellen. Als ich das Gebäude sehen kann, schleiche ich nur schnell und nervös hinein. Nur nicht auffallen.

Ich betrete den Raum. Getuschel im Klassenzimmer. Vielleicht über mich? Nein, warum sollten sie über mich reden? Ok, aber irgendetwas stimmt hier nicht. Irgendetwas ist falsch.

„Das ist nicht richtig.“, flüstere ich, „Das ist überhaupt nicht richtig.“

Langsam laufe ich zu meinen Lehrer ans Pult. Er sitzt mit verkreuzten Beinen am Tisch. Starrt ins Klassenbuch. Wahrscheinlich wartet er  darauf, endlich die Anwesenheitsliste zu vervollständigen.

Er schaut von seiner Liste auf, lächelt mich an. Ich mustere sein Gesicht. Seine große Nase, müden Augen und den kleinen Mund. Sein Haar ist schüttern, nichtsdestotrotz machte er schon immer einen netten Eindruck auf mich. Na ja, schon immer, bis heute. Heute ist alles anders. Heute liegt dieses Gefühl von Unruhe in der Luft. Wie ein beißender Geruch dringt er in mich ein, brennt in meiner Seele und erfüllt mich in seiner Hässlichkeit mit Ekel.

„Entschuldigen Sie mein Verspäten, ich war heute-“, ich stocke, schaue in die Augen des Lehrers. Etwas war nicht richtig. Überhaupt nicht. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Panisch schaue ich mich um. Der Lehrer schaut mich verwirrt an.

„Alles okay mit Ihnen?“, fragt er mich. Seine Stimme ist leise.

Das reicht. Ich halte das nicht mehr aus.

Ich atme immer schneller, renne aus den Raum. Renne in meine Wohnung, in mein sicheres Heim. Dabei immer wieder „Das ist nicht richtig!“, flüsternd.

Ich verschließe die Tür, lege mich auf mein Bett und rolle mich zusammen. Meine Augen kneife ich fest zu. Ich will das nicht sehen. Was immer es auch ist. Ich fühle mich in Dunkelheit eingehüllt. Die Angst holt mich ein. Das Monster wird mich verschlingen.

Ein Pochen, an der Tür. Ein leises Wimmern von mir. Was ist es? Wie nennt man das? Ist es ein Monster?

Nein, dieser Gedanke ist zu kindlich um wahr zu sein. Aber es ist etwas viel Schlimmeres… etwas vor dem jeder Mensch Angst hat…

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.

Das ich mir das nicht denken konnte… Die größte Angst des Menschen ist wohl die, nicht zu wissen, wovor man Angst hat. Das treibt ihn schließlich in den Wahnsinn.

Ich spüre, wie ich dem Wahnsinn langsam verfalle. Das Monster hat mich eingeholt. Die Dunkelheit verschlingt mich.

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