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„ELI! Kommst du endlich?“ Meine Mutter ruft durch die ganze Baracke, sodass sich die anderen Bewohner zu ihr umdrehen. Ich war gerade von der Arbeit gekommen und wollte mich noch kurz ausruhen, bevor wir von unseren „Hausvorstehern“ abgeholt werden. Doch daraus wird jetzt wohl nichts mehr.

Langsam trotte ich zu meiner Mutter, die mit verschränkten Armen dasteht. Sie war schon wieder dünner geworden. Aber die harte Arbeit und das wenige Essen, das es gerade gibt, nagen nun mal an ihr. Auch ich habe die ganze Zeit Hunger, aber da Mama mir immer etwas von sich abgibt, ist es nicht so schlimm. Als ich jetzt aber sehe, wie dünn sie ist, schäme ich mich fast ein bisschen. Mama hat gesagt, dass gerade eine Nahrungsmittelknappheit oder so etwas herrscht und wir uns jetzt einfach ein bisschen zurückhalten müssen. Das nächste Mal werde ich Mama etwas von meinem Essen abgeben.

„Eli! Träumst du schon wieder?“ „Nein, Mama.“ Energisch schüttle ich den Kopf. „Was ist los?“ „Wir dürfen uns heute mal wieder duschen, das Wasser scheint wieder zu funktionieren.“ Ein Grinsen breitet sich in meinem Gesicht aus. Endlich mal den ganzen Dreck vom Körper spülen! "Es ist endlich wieder Waschtag?" „Ja, aber in den Gemeinschaftsduschen, das ist dir schon klar?“ antwortet meine Mutter. Langsam nicke ich. Eigentlich hasse ich es, dass ich mit anderen Menschen zusammen duschen muss. Auch, wenn das meine Mitbewohner sind. Aber ich hatte mich schon so lange nicht mehr waschen können, da ist mir das egal. Die letzte Zeit gab es kaum Wasser, irgendwas war mit den Leitungen oder so. Die Aussicht, endlich mal wieder einigermaßen sauber zu werden, erfüllt mich mit Freude.

Plötzlich wird die Tür von unserer Baracke aufgerissen. Unser „Hausvorsteher“ tritt herein und ruft: „Los, Duschen. Sofort!“ Dann geht er wieder ins Freie und meine Mitbewohner hasten hinterher. Scheinbar können sie alle es nicht erwarten, endlich mal wieder Wasser auf der Haut zu spüren. Außerdem mag es unser Hausvorsteher nicht, wenn man trödelt.

Wir stellen uns in Zweierreihen auf, dann geht es auch schon los. Wir müssen immer mit dem gleichen Fuß anfangen, meine Mama hat gesagt, das schaut dann besser aus. Außerdem kann man dann leichter singen beim Laufen.

Als wir eine Kreuzung erreichen, kommt uns eine weitere Hausgemeinschaft entgegen. Es ist die Gemeinschaft meines Freundes Samuel. Als die zwei Häuser aneinander vorbeilaufen, versuche ich ihn zu erblicken, kann ihn aber nicht finden. Nur seine Eltern trotten an mir vorbei, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Die Augen seiner Mama sind rot und geschwollen, sein Papa ballt wütend die Fäuste. Ich würde gerne fragen, wo Samuel ist, aber es ist uns verboten, mit anderen Hausgemeinschaften zu sprechen. Das habe ich nie verstanden. Manchmal haben Samuel und ich mich trotzdem getroffen. Ich hoffe, dass er morgen auch kommt, da habe ich nämlich Geburtstag und werde schon 8 Jahre alt. Vielleicht können wir da mal wieder ein bisschen miteinander reden. Wir müssen nämlich trotz unseres jungen Alters schon viel arbeiten, da tut es mal gut, wenn man mal ein bisschen was anderes macht.

Ich bin so in Gedanken, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass ich langsamer gelaufen bin. Sofort ist unser Hausvorsteher neben mir und schnauzt mich an: „Schneller, oder soll ich dir Beine machen?“ Verängstigt schüttle ich den Kopf. Wie gesagt, er mag es nicht, wenn man trödelt. Was mich wundert ist, dass meine Mama nichts zu dem Vorsteher sagt. Normalerweise verteidigt sie mich immer, nur wenn der Mann etwas sagt, dann ist sie ganz still und starrt auf den Boden. Ich glaube, ich werde sie mal danach fragen, wenn wir wieder in unserem Haus sind.

Endlich kommen wir bei den Duschen an. Dort sind noch mehr Hausvorsteher und alle grinsen uns an, als sie uns erblicken. Dieses Grinsen lässt mich erschaudern und bereitet mir eine Gänsehaut. Also schaue ich schnell auf den Boden, bis wir in der Umkleidekabine sind. Dort ziehen wir uns aus und gehen einer nach dem anderen in die Dusche. Ich suche meine Mama und stelle mich zu ihr. Erwartungsvoll schaue ich auf den Duschkopf.

Plötzlich höre ich ein lautes Klacken. Die Türe wurde zugeschoben und verschlossen. Verwirrt schaue ich meine Mama an, diese runzelt verwundert die Stirn. Bevor ich etwas sagen kann, ertönt ein lautes Zischen. Nun schauen sich auch meine Mitbewohner verwundert um. Einige drehen an den Reglern für die Duschen, doch nichts passiert. Nur dieses laute, gleichmäßige Zischen. Außerdem riecht es unangenehm nach Mandeln.

Plötzlich werden die Leute unruhig. Eine Frau in der Mitte scheint umgefallen zu sein, dann noch eine und immer mehr Leute. Die Frau vor mir dreht sich zur Tür um, vor der ich immer noch stehe. Ihre Augen sind riesengroß vor Angst. Ich greife nach der Hand meiner Mama und schaue zu ihr hoch. Ich möchte sie fragen, was los ist. Warum fallen die Leute einfach um? Auf einmal nimmt Mama mich hoch und hebt mich auf ihre Schultern. Normalerweise ist das lustig, aber diesmal sehe ich nur ängstliche Erwachsene, die plötzlich umfallen. Warum? Erwachsene kippen doch nicht einfach um. Ich will Mama sagen, dass sie stehen bleiben soll, dass sie mich festhalten muss. Aber aber auch sie schwankt und kippt plötzlich nach vorne. Ich falle auf die Frau, die mich eben so ängstlich angestarrt hat. Ich schreie. Mama liegt einfach da, die Augen weit aufgerissen. Was ist mit dir? Mama? Mama! Mama, ich bekomme keine Luft! Mama, bitte hilf mir...


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~~ Marconiac ~~

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