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Alles ist weiß. Meine Welt ist geschrumpft, auf ein paar Meter Weiß. Je länger ich an das Wort denke, desto unsinniger wird es. Weiß.

Ich kann mich nicht erinnern, wie ich hierher gekommen bin. Ich kann mich an nichts mehr errinern. Nicht daran wer ich bin, wo ich war, was ich gemacht habe. Nichts. Ich schließe die Augen. Die Schwärze umfängt mich, umarmt mich, lässt mich in Sicherheit gleiten. Ich atme durch, versuche zu denken, aber nur eine Sache macht sich in meinem Verstand breit. Weiß.

Es ist ein Raum, in den ich eingesperrt bin. Ich sehe keine Tür, aber irgendwie muss ich hier reingekommen sein. Ich weiß nicht, wie ich hierhin gekommen bin oder wann. War es gestern? Heute? Vor einer Woche? Vor einem Jahr? Ich möchte schreien, doch dort wo meine Zunge sein sollte, ist nichts, außer eine leere Mundhöhle. Ein Stöhnen dringt aus meinem Hals. Ich lächele, versuche zu lachen, doch nur abgehackte Glucksgeräusche kommen heraus. Mein Kopf schmerzt, der Raum frisst mich auf. Weiß

Ich trage weiße Sachen. Ein weißes Shirt, eine weiße Hose, weiße Schuhe und Socken. Dazu weiße Unterwäsche und weiße Handschuhe. Alles scheint miteinander vernäht zu sein, ich kann mich nicht ausziehen. Wie schön es doch wäre, eine Farbe zu sehen. Weiß ist keine Farbe. Weiß ist die Hölle. Ich versuche zu denken, doch der Raum ist in meinem Kopf. Weiß. Eine Masse treibt durch meinen Verstand. Ich kann nicht denken, alles scheint verschwommen zu sein. Gefressen von Weiß. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, wann kann ich nicht sagen. Waren es Jahre, Dekaden, Jahrhunderte? Ich rolle mich auf dem weißen Boden zusammen und schließe die Augen. Süße Schwärze. Doch außen ist alles weiß.

Ich öffne meine Augen. Vor mir steht eine weiße Plastikschale mit weißem Reis. Daneben ein weißer Plastikbecher mit Milch. Ich starre auf meine Mahlzeit. Habe ich das schonmal gegessen? Ich weiß es nicht. Ich versuche zu lachen. Ich "weiß" es nicht. Langsam krieche ich zu meinem Essen. Wie im Traum schiebe ich den Reis in den Mund. Die Milch ist weder kalt noch warm. Genau wie der Reis. Und der Raum. Weiß

Die Wände scheinen näher zu kommen. Ich glaube, es sind wieder ein paar Jahrtausende vergangen. Wenn ich müde bin, schlafe ich. Wenn ich aufwache, steht meine übliche Mahlzeit vor mir. Wenn ich aufs Klo muss, mache ich mir in die Hose. Durch die dicke Schicht Kleidung sehe ich jedoch nicht einmal meine Exkremente. Stecke ich mir den Finger in den Mund um alles wieder auszukotzen, kommt weiß heraus. Wenn ich mich schlafen lege. wache ich sauber wieder auf. Das warme Gefühl meines Hoseninhaltes ist verschwunden. Wenn ich danach fühle, fühle ich nichts feuchtes mehr. Weiß

Doch nun versuchen die Wände mich zu fressen. Sie kommen immer näher. Sie lachen mich aus, ihr schrilles Gekreische zerfetzt mir die Ohren, hört sich weiß an. Ich schlage mit dem Kopf gegen die Wand, versuche zu schreien. Doch ich pralle von der weichen Wand ab. Wie eine Turnhallenwand. Ich sinke auf den Boden zurück, vehement schluchzend. Selbst meine Tränen scheinen weiß zu sein. Ich wiege mich vor und zurück. So verbringe ich weitere Jahrtausende. Tausende von Jahren, eingekerkert in weiß.

Das Gesicht starrt mich von der weißen Wand an. Es ist nicht wirklich da, es ist auch weiß, dennoch sehe ich es. Tausend Augen scheinen mich zu beobachten. Ich sehe nur das Weiße. Ich will nicht mehr sehen. Ich schließe die Augen, doch nur um sie wieder stumm schreiend aufzureißen. Anstelle meiner geliebten Dunkelheit sehe ich weiß. Ich halte mir die Hände vor die Augen, doch das Weiß ist überall. Wie vom Wahn ergriffen, steche ich mir die Finger in die Augen, versuche die Dunkelheit wieder herzustellen. Dann beginne ich mir die Daumen in die Augen zu drücken, mit aller Kraft. Das Aufbrechen der Augäpfel erfüllt den weißen Raum. Es scheint von den Wänden zu schallen. Der Schmerz ist unerträglich, doch ich drücke weiter. Die Dunkelheit hat alles eingenommen, ich spüre wie meine Finger an dem Schädelknochen drücken. Ich falle zu Boden, spüre wie mir das Blut und die Augen über das Gesicht laufen. Sie waren weiß meine Augen. Weiß.

Die Dunkelheit verschwindet. Ich öffne meine Augen, was mich panisch macht. Ich weiß, wie ich sie ausgedrückt habe, ich genoss den Schmerz und die Dunkelheit, das Gefühl zu schweben. Der Raum liegt vor mir, die Wände meilenweit entfernt. Und vor mir eine weiße Schale mit weißen Reis, daneben ein weißer Becher mit weißer Milch. In der Milch schwimmen zwei weiße Augen. Weiß

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