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Meine zittrigen Finger strichen über meine eiskalte Haut und ich zuckte unwillkürlich zusammen. So kalt... alles war so kalt... ich ließ meinen Zeigefinger die Konturen meines verunstalteten Bauches nachfahren. Das getrocknete Blut fühlte sich rau und ekelhaft an, ja, ich ekelte mich vor mir selbst. Schon das reichte, um diese ungeheure Wut in mir zu entfachen, die eigentlich für immer erloschen sein sollte.

Meine Finger fuhren weiter, hinein in meinen Körper. Das Tiefrot meines Blutes verstärkte den Eindruck als wäre in mir lediglich ein schwarzes Loch, eine leere Hülle. Keine Gefühle.

Ich erkundete meinen Körper, wollte mich vergewissern, dass ich mehr war als diese Hülle. Sofort fühlte ich die Spitze einer abgebrochenen Rippe und grinste erleichtert. Mit der zweiten Hand hob ich meine zerstörte Haut zur Seite schaute in mich hinein. Ich wollte es sehen. Das Instrument, das mich so lange am Leben gehalten hatte.

Meine Hand berührte etwas Glitschiges und ich zuckte zurück. Meine Leber lag unberührt an Ort und Stelle und kurz starrte ich sie fasziniert an, bevor ich fortfuhr.  

Es muss hier sein... er kann es mir nicht genommen haben...

Mein Arm steckte bis zum Ellenbogen in meinem Körper, schob sich an meinen Innereien vorbei um es zu suchen. Doch ich fand es nicht, nur ein leerer Platz. Mein Lungenflügel hatte er dabei auch noch durchbohrt, das Zwerchfell ebenso. Aber nirgends fand ich mein Herz. Es war mir genommen worden.

Ich öffnete den Mund zu einem markerschütternden, verzweifelten Schrei, doch natürlich hörte man nichts. Ich stolperte unbeholfen zurück und fiel ohne ein Geräusch auf den Boden. Mein blasser, toter Körper lag auf der Pritsche des Bestatters, nur schwach beleuchtet von einer Neonröhre. Er hatte es sich doch genommen.

Ich fasste mir an die Brust und wimmerte. Zu gern würde ich wieder dieses leichte Pochen fühlen, Blut, das durch meine lebendigen Adern floss. Aber ich war tot, lag als Leiche auf der Arbeitsfläche dieses Bestatters und regte mich kein Stück. In einem Spiegel sah ich mich als geisterhaftes Abbild kümmerlich auf dem Boden liegen. Ich hatte akzeptiert, dass ich den Unfall nicht überlebt hatte. Auch, dass meine Kinder und meine Frau mein Schicksal teilten. Aber... dass mein Herz mir nun gestohlen worden war...

Ich fühlte mich unvollkommen, als würde ein Stück fehlen und ich wollte es unbedingt zurück. Doch ich hörte eine Stimme nach mir rufen. Leise, aber bestimmt.

"Es ist Zeit diese Welt zu verlassen."

Ich wollte protestieren, doch wusste, dass dies unmöglich war. Langsam erhob ich mich, sah ein letztes Mal auf meinen Körper herab und löste mich auf. Wurde zu feinem Staub, der empor zur Decke schwebte, durch sie hindurch und ans Tageslicht. Ich schwebte an der Hauswand vorbei, beobachtete von oben die spielenden Kinder und hätte gern gewinkt.

Doch es würde mich niemand sehen. Denn ich war nur der Schatten meiner selbst, würde diese Welt nun verlassen und ließ lediglich meinen unvollkommenen Körper zurück.

Und spürte den Schmerz, den ich spürte als ich starb. Als ich durch die Scheibe flog und eine Glasscherbe sich durch mich bohrte. Als ich meine Kinder und meine Familie kreischen hörte. Ihre Todesschreie. Und sich meine Seele von mir löste.

(Autor: [1])

 

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