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Es ist gerade Anfang Mai.

Oeltropfen

Kaum zu glauben, welche Kraft die Sonne schon hat. Ich liege auf meinem Balkon in der Sonne und genieße meinen freien Tag. Notwendigerweise. Schon viel zu lange bin ich in der Arbeit erstickt und gönne mir nun eine kleine Pause.

Endlich abschalten, dem Alltag entfliehen und die Ruhe und Geborgenheit dieses kleinen Örtchens genießen.

Ich seufze ergeben ob der Endorphine, die mein Hirn im Anbetracht der warmen Strahlen auf meiner nackten Haut ausschüttet und gestatte mir ein Lächeln. Freilich, auf die Idee Sonnenmilch aufzutragen komme ich gar nicht, schließlich hält meine Haut ja auch einiges aus. Obwohl sie kreidebleich ist. Noch.

Tastend wandert meine Hand über den kleinen Beistelltisch neben meiner Sonnenliege. Spüre kurz darauf den schmalen Strohhalm an meinen Lippen und nehme einen tiefen Schluck aus dem selbst gemixten Cocktail. An einem solchen Wonnetag darf man sich auch mal die eine oder andere Sünde erlauben.

Die Sonne nähert sich nun rasch ihrem Zenit, ich spüre die Strahlung intensiver werden und überlege kurz, nicht vielleicht doch besser ein wenig in den Schatten zu wechseln. Hautkrebs mag schließlich niemand, denn ein leichtes Brennen auf der Brust kündigt mir schon einen nahenden Sonnenbrand an.

Geistig mit den Achseln zuckend verwerfe ich den Gedanken jedoch. Immerhin liege ich noch nicht lange hier. Ein wenig dürfte ich schon noch vertragen.

Unter mir höre ich den Untermieter auf seinem Balkon rumoren. Ein freundlicher Mann, immer für einen Spaß zu haben und stets hilfsbereit. Hat mir vor kurzem bei meinem Umzug hierher gleich mit den verschiedensten Dingen ausgeholfen. Darunter auch der gute Rum, den ich für meinen Cocktail benutzt habe.

Ich genehmige mir noch einen Schluck und genieße das gleitetende Gefühl, mit dem die Flüssigkeit meine Kehle hinabrinnt und mich etwas erfrischt.

Zwar ist das Brennen inzwischen stärker geworden, daran aus der Sonne zu gehen, denke ich jedoch noch immer nicht. Im Gegenteil; ich wende mich nur auf den Bauch und aale mich weiterhin im gleißenden Licht.

Ich muss wohl kurz eingenickt sein, denn plötzlich spüre ich ganz deutlich wie die Haut auf meinem Rücken zu spannen beginnt. Setze mich auf und halte mir den Kopf, als mir kurz schwindlig wird. Zur Linderung trinke ich den inzwischen warm gewordenen Rest meines Drinks.

Seltsamerweise verschwindet das Brennen auf der Stelle.

Na da kann ich ja noch ein Weilchen liegen bleiben.

Wenige Minuten später spüre ich schon wieder wie ich träge werde. In meinen Gliedmaßen liegt plötzlich eine bleierne Schwere, die ich so kaum kenne, aber keineswegs unangenehm ist. Still vergnügt wandere ich hinüber in bodenlose, kühle Schwärze.

Als ich das nächste Mal etwas spüre, weiß ich, dass etwas nicht mehr stimmt.

Ich öffne die Augen und meine durch ein schmutziges Glas auf die Realität zu blicken. Ein leiser Wind ist aufgekommen, doch die Blätter am Baum gegenüber bewegen sich wie in Zeitlupe. Selbst das Sonnenlicht hat eine andere Farbe. Wirkt grünlich, als hätte man einen Filter über die gelbe Scheibe gelegt.

Der Versuch mich zu bewegen gelingt mir nicht. Komme mir vor, als wäre ich in Watte gepackt.

In sehr heiße Watte, die jede meiner Bewegungen sofort dämpft.

Schiebe meine absonderliche Wahrnehmung auf den Cocktail und verfluche mich insgeheim nicht eher aus der Sonne gegangen zu sein.

Als ich an mir hinunterblicke sehe ich bestürzt, dass sich Blasen auf meiner Haut gebildet haben. Keine kleinen, niedlichen Blasen, wie sie sonst bei einem Sonnenbrand der Fall wären. Dicke, dunkle Dinger, gefüllt mit einer Flüssigkeit. Auch meine Zunge fühlt sich ... wullstig an. Schockiert fahre ich damit über meine Zähne und zucke erschrocken zusammen, als eine der Blasen daran aufplatzt. Ein widerlicher Geschmack füllt meinen Mund. Ekelhaft, doch auch irgendwie vertraut, erinnert er mich entfernt an meinen Drink.

Will ausspucken, doch mein Mund gehorcht mir nicht. Selbst meine Arme zucken nur müde, als ich versuche sie zu bewegen. Panik steigt in mir auf.

Was geht hier vor sich?

Meine Augen brennen. Nicht vom Sonnenlicht. Es fühlt sich an als würde brennendes Benzin hineinfließen.

Ich kann kaum noch denken. Alles verschwimmt und doch sehe ich noch ganz deutlich wie sich meine Haut zu bewegen scheint. Irgendwie ... flüssig wird, ehe der Schmerz in mir hervor bricht und mir jede bewusste Wahrnehmung nimmt.

Auf dem Balkon darunter sitzt ein vergnügter Untermieter in seinem hohen Schaukelstuhl, genießt die Sonne und einen kühlen Drink. Wie immer an solchen Tagen, nachdem ein Neuer über ihm eingezogen war. Ein leises Platschen zeigt ihm, dass auch seinem neuen Freund der Cocktail ausserordentlich gut geschmeckt haben musste. Lächelnd dreht er den Kopf zu dem Eimer, der neben ihm am Boden steht und sieht, wie lange Fäden hautfarbener Flüssigkeit vom Balkon über ihm hineintropft.

Ein leckerer Tropfen.

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Ravnene

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