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„Du bist zu wirklich nichts zu gebrauchen, du Miststück“, schreit meine Mutter, das tut sie immer, wenn sie zu tief ins Glas geschaut hat. Ich bleibe stumm und vermeide es, ihr in diesem Zustand zu widersprechen, es würde ja doch nur Prügel nach sich ziehen. Torkelnd wendet sie mir den Rücken zu und schwankt in Richtung des Wohnzimmers, im Flur liegen schon wieder geleerte Flaschen, Unzufriedenheit vermischt mit Kummer.

In gebührenden Abstand tapse ich hinterher. Je näher wir dem Raum kommen, desto stärker wird der Geruch von kaltem Zigarettenrauch.
„Kenne ich nur zu gut“, sage ich stumm, „habe mich schon daran gewöhnt.“
Auch an die Unordnung und der Dreck, dessen Überbleibsel die Wohnung verzieren, sind ein Bild, das mir nicht unbekannt erscheint, es wird mehr und mehr, je näher wir der Wohnstube kommen. Die Tapeten sind vergilbt, an der Decke hängen verdreckt die Spinnweben. Ein Außenstehender würde wohl zu dem Schluss kommen, die komplette Wohnung zu entkernen, um wieder Land zu sehen.

Meine Mutter stolpert über eine leere Bierflasche, die sie wohl im volltrunkenen Zustand einfach an dieser Stelle fallengelassen hatte, ich versuche sie zu stützen, doch entzieht sie sich meinem helfenden Griff und stößt mich von ihr weg. „Fass mich noch einmal an, du dreckige Nutte“, keift sie durch ihre Zähne, sodass mir ihr Speichel ins Gesicht fliegt. „Sonst prügele ich dich windelweich.“

Stumm vergrößere ich den Abstand zwischen ihr und mir, sehe in geduckter Haltung zu Boden und rühre mich nicht mehr.
„Ja, Mama“, gebe ich mich unterwürfig.

„Nenn mich nicht so, oder ich vergesse mich.“

Ich nicke stumm und trete vorsichtshalber noch einen Schritt zurück. Dann herrscht Stille zwischen uns. Hasserfüllt unterbricht sie diese: „Verzieh dich endlich in dein Zimmer, elende Göre.“

Sie will mich nicht in ihrer Nähe haben, und ich weiß auch warum. Ich blicke an ihr vorbei, der Wohnzimmerschrank hinter ihr. Zwischen zerknüllten Taschentüchern steht das Foto, und mir dreht sich der Magen um, in meinem Hals entsteht ein erdrückender Kloß.

Ich sehe Luisa darauf, meine kleine Schwester, blonde Haare stehen in alle Himmelsrichtungen ab und kräuseln sich zu frechen Locken. Meine... Unsere Mutter und ich sitzen daneben, wir drei lachen in die Kamera. Wir sind glücklich.

Doch nun steht sie mit zusammengepressten Lippen vor mir und starrt mich kalt und ablehnend an, sie hasst mich abgrundtief.

„Mama, ich...“, meine Stimme bricht zusammen, mich erfasst glühende Taubheit, die in pulsierenden Schmerz mündet, durchpflügt meine Schläfe, während ich hart zu Boden gehe. In der vergeblichen Hoffnung, es würde die Pein lindern, halte ich mir den Kopf, der dröhnend zwischen meinen Händen liegt, und krümme mich vor den Füßen meiner Mutter zusammen. Schluchzend liege ich da und weine laut.

„Sei still“, schreit sie zu mir hinunter, zumindest glaube ich das, denn aus dem Dröhnen ist unverständliches Rauschen geworden, das auf meine Hörorgane drückt.
„Ich wünschte, Du wärst damals gestorben.“
Der Tritt wird von meinen Unterarmen gedämpft, die ich im letzten Moment hochgerissen habe, dennoch verschwimmt die Sicht, und diesmal sind es nicht die Tränen. Das Schwindelgefühl verstärkt sich zusehends, lässt Übelkeit emporsteigen, dann kotze ich Galle.

Sie setzt sich auf das Sofa, greift zur Flasche und leert den darin befindlichen Rest in einem Zug.

Ich bin ihre Schläge gewohnt, obwohl ich es nicht darauf anlege, ich kenne Gewalt. Wieder schaue ich zum Foto im Schrank und denke an meine kleine Schwester. Stelle mir vor, wie es heute wäre, hätte sie überlebt. Eine kleine glückliche Familie, fünfzehn auf fünfzehn Zentimeter, in einem schmalen Holzrahmen steckend.

Immer noch benommen ziehe ich mich auf die weichen Knie und lehne gegen die Wand, damit ich nicht wieder umkippe, jedoch lässt der Schwindel allmählich nach. Der widerliche Geruch von frischem Zigarettenqualm steigt mir in die Nase und hilft mir dabei, klarer zu werden, lässt meine Sinne in erstickten Schwaden aufleben, die sich jedoch sofort wieder verschließen wollen, als ihre Stimme ertönt: „Verschwinde endlich in dein Zimmer, ich will dich nicht mehr sehen.“

Sie nimmt einen weiteren Zug, die Zigarette leuchtet heiß auf, der blaue Qualm verlässt ihren Mund, während sie nach einer weiteren Flasche Hochprozentigen sucht.
„Bist du immer noch da, dein Vater kommt gleich nachhause, und dann will ich, dass du verschwunden bist“, schmettert sie und hat eine Bierflasche gefunden.
„Stiefvater“, erwidere ich trotzig, doch nicht so laut, wie ich gewollt hätte. Mein leiblicher Vater hat uns vor einem Jahr verlassen, er hatte es nicht mehr ertragen, wie sich unser Familienglück in zerstörte Scherben zersprang, die nach dem Tod von Luisa immer weiter voneinander gedriftet waren. Auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten hatte sie sich von mir losgerissen und war dann von einem Wagen, dessen Fahrer nicht schnell genug bremsen konnte, erfasst worden und noch an der Unfallstelle gestorben. Es war eine sehr schöne Beerdigung.

Ich tue, wie mir geraten, und verziehe mich in mein Zimmer, denn auf eine Konfrontation mit Tim habe ich wirklich keine Lust, nach der Arbeit will er seine Ruhe.

Später am Abend sitzen wir zu dritt am Esstisch in der Küche und nehmen schweigend das Abendbrot zu uns, den restlichen Tag verbringe ich in meinem Zimmer, bis ich dann irgendwann zusammengekauert in meinem Bett einschlafe.

***

Ich werde durch ein metallisches Klicken aus dem Schlaf gerissen, sofort weiß ich, dass der Ursprung des Geräusches von meiner Zimmertür herstammt. In mir rumort es, wenn ich daran denke, wer nun im Türrahmen steht, und mein Körper, ohne das ich es kontrollieren kann, zieht sich angeekelt zusammen. Mein Stiefvater, unheilverkündend von der nächtlichen Dunkelheit eingehüllt, liebt mich viel öfters als meine Mutter. Dafür hasse ich ihn. Er ist ein perverses Dreckschwein, das sich an mir aufgeilt, wenn ich nur an seine berührende Zuneigung denke, wird mir schlecht. Ganz leise wird die Tür in das Schloss gedrückt, und ich tue weiterhin so, als würde ich schlafen, er will, dass ich wach bin, er liebt es, wenn ich seine sogenannten Zärtlichkeiten auch erwidere.

Meine Mutter hatte ihn eines Abends von einer Kneipentour zu uns nach Hause mitgenommen, einige Tage später erklärte sie mir, dass er bei uns einzog. Sie hatte natürlich nur in den höchsten Tönen von ihm gesprochen, wie zuvorkommend und nett er doch sei, und dass es besser werden würde. Die Ohrfeige schmerzte noch lange, dabei hatte ich die Wahrheit gesagt, die Nächte zwischen Tim und mir blieben bestehen.

Füße, die in Socken stecken, werden über den Teppichboden geschleift, und ich spüre, wie er mir immer näher kommt, ich rühre mich nicht, tue weiterhin so, als würde ich tief und fest schlafen und hoffe inständig, dass der Schlaftrick funktioniert.

„Bitte lass es klappen, bitte lass es klappen, bitte lass es klappen...“, wiederhole ich, einem Mantra ähnlich, immer und immer wieder. Lasse die Worte in meinem Kopf tanzen und lausche dabei in die Finsternis hinein. Krampfhaft versuche ich meinen zitternden Körper zu beruhigen, der nur widerwillig stillhält, aber das Verstummen der weichen Schritte lässt mich aufhorchen. Schreiende Stille in meiner kleinen Welt, die mit der Bettdecke endet.

„Lass mich in Ruhe“, will ich schreien, doch seine große Hand liegt bereits auf meinem Mund, verwehrt mir das Recht auf Hilfe, sodass ich nur verstummtes Wimmern von mir geben kann. „Halt dein verdammtes Maul, du dreckige Göre, sonst zeig ich dir, was ich noch so drauf habe.“

Ich bin lieber still und nicke ergeben, lasse meine strampelnde Abwehr fallen, denn wenn ich es nicht täte, würde er mich stoßweise zerfetzen. Niemand kann mich vor diesen verdrehten Zärtlichkeiten noch beschützen, ich bereite mich innerlich darauf vor, wieder von ihm geliebt zu werden. Ich schließe meine Augen und spüre schon die ersten zarten Berührungen unter dem Nachthemd, routiniertes Vortasten auf bekannten Terrain.

„Aber ich habe es verdient“, rufe ich mir ins Gedächtnis, während ich gefügig liegen bleibe und mich benutzen lasse, bis mein Stiefvater seine klebrige Ekstase auf mir verteilt hat. Irgendwann ist es dann wirklich vorbei, und ich bin wieder alleine, alleine mit meiner kranken Seele, die tief in mir lebt. Auf meinem entblößten Körper fließt der schleimig warme Saft, dessen eigenwilliger Geruch mir in die Nase steigt.

DD 100ÜÜZZ

Ich lächele in die diffuse Schwärze meines Zimmers, streichele zärtlich über meinen Körper, sodass sich möglichst viel Sekret auf meine Finger verteilt, und lasse es genüsslich in meinem Mund zergehen.

„Ich spiele meine Rolle ziemlich gut“, flüstere ich zufrieden. „Danke, kleines Schwesterchen, du warst doch nützlicher, als ich gedacht habe.“

Autor: Bloody_Tears_666

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