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"Sie ist so wunderschön...", dachte er. Sie hatte braune Augen, aber sie waren eher hell, nicht so dunkel wie seine. Wenn er ihre langen, blonden Haare sah, so fühlte er sich, als würde es ihm genügen in seinem Leben nie wieder etwas anderes zu sehen.

Sie bedeutete ihm die ganze Welt. Aber das wusste sie nicht.

Er war ein Junge, der keinen Reichtum sein Eigen nennen konnte. Seine Mutter war alleinerziehend, bei vier Kindern. Manchmal konnte er froh sein, dass er die letzten Tage des Monats etwas zu essen hatte.

Natürlich war ihm das bewusst. Irgendwann wurde ihm klar, dass er im Gegensatz zu den anderen Kindern eigentlich nie das neueste Spielzeug oder die schönsten Klamotten hatte.

Es machte ihn traurig.

"Wie könnte ich ihr je gefallen?", fragte er sich oft selbst, während der Hass und der Schmerz über das Leben in seinem jungen Herzen wuchs.

Aber es gab ihm auch Kraft. Er half so gern. Er teilte immer, und wenn er selbst nur ein Brötchen und einen knurrenden Magen hatte, so gab er noch die Hälfte ab.

Er wollte seine kleine Welt verändern und allen zeigen, wie viel Kraft er in sich hatte.

Auch ihr half er.

Manchmal schenkte er ihr etwas Geld, das ihm seine Mutter für Pausenbrot gegeben hatte, weil sie danach fragte. Nie verriet er wofür es gedacht war und nie wollte er es zurück. Er dachte, er würde ihr eines Tages gefallen, wenn sie die Großzügigkeit in ihm sehen würde.

Manchmal dachte er, sie würde genauso für ihn empfinden.

Aber es passierte nicht. Er selbst fand auch nicht den Mut es ihr zu sagen. Den Mut ihr zu sagen wie froh und gleichzeitig wie schwer sein Herz in jedem Moment war, indem er sie sah.

Doch die Jahre vergingen, ohne dass er es ihr je sagen konnte.

Als er die Schule verließ, fand er sich einfach damit ab.

Das Schicksal bürdete ihm in den Jahren viel auf. Schwere Tage, die der Junge auf seinen Schultern trug. Nie war jemand großzügiger und hilfsbereiter. Nie war jemand aufopfernder als er.

Als seine Mutter aufgrund von Depressionen in die Psychiatrie kam, war er der Einzige, der jeden zweiten Tag mit dem Bus fuhr, um sie zu besuchen. Er schwänzte dafür oft den Unterricht der weiterführenden Schule. Seine Noten ließen nach und er musste zwei Mal wiederholen.

Aber es war in Ordnung. Er konnte das, auch wenn es ihn viel Kraft kostete.

Und die Schwere ging vorbei.

Manchmal fand er sogar eine Freundin, mit der er einige schöne Zeiten verbringen konnte. Manche halfen ihm erwachsen zu werden.

Aber der Junge konnte das Mädchen von damals nie vergessen, weshalb seine Beziehungen zum Scheitern verurteilt waren. Manchmal, wenn er mit einer Freundin im Bett lag, dachte er an das Mädchen von früher, und schämte sich.

Aus dem Jungen war ein Erwachsener geworden, der das Mädchen endlich kontaktieren konnte.

Er war immer noch so verliebt und freute sich so, als sie auf seine Nachricht antwortete.

Aber egal wie sehr er es versuchte, sie schien nie an ihn gedacht zu haben und auch das, was er von ihr wollte, nicht zu begreifen. Der Junge dachte, vielleicht müsste er nur warten. Nur durchhalten. Das Schicksal abwarten.

Diese ehrliche, reine Liebe, die er für das Mädchen empfand, musste Schicksal sein. Es musste Bestimmung sein, dachte er.

Doch wieder verstrichen die Jahre. Er lenkte sich wieder mit Beziehungen und einem Job ab. Hin und wieder hatte er sie sogar vergessen oder nicht an sie gedacht. Als ihm das auffiel, war er selbst überrascht.

Doch je älter er wurde, desto mehr befürchtete er die Zeit würde ihm davonlaufen.

Er gestand dem Mädchen nach so vielen Jahren seine immerwährende Liebe. Doch sie reagierte darauf nicht, beantwortete seine Gefühle nicht.

Es brach ihm nicht nur das Herz. Mehr noch zerbrach seine Bestimmung, das Schicksal, das er für sich selbst erwählt hatte. Nach all diesen Jahren war dieses Mädchen das Einzige, was ihm in seinem tiefsten Inneren immer Kraft gab. Ein Ziel, das er irgendwann erreichen würde, nachdem er sich aus den Käfigen seiner Kindheit befreit hätte.

Sie war seine Bestimmung.

Und er verlor sie. Weil er zu lange den Mut nicht hatte.

Der Junge weinte.

Er öffnete ein Fenster. Und sprang.

Das Mädchen öffnet die Zeitung. Sie liest einen Artikel über einen jungen Mann Mitte 20, der sich das Leben nahm. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief.

Sie erkennt seinen Namen und weint.

"Warum warst du immer zu spät?", fragt sie. Sie weint.

Dann wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht und bringt ihre Tochter in den Kindergarten.

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