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“Liebe Fahrgäste! In wenigen Minuten halten wir in Mainz Hauptbahnhof. Es besteht Anschluss an...”

Die Lautsprecherdurchsage dringt nur stückhaft an meine Ohren. Seit zehn Minuten - die Zeit, die wir von Wiesbaden Hauptbahnhof bis hierher gebraucht haben – läuft in meinen Kopfhörern Myuu. Seine Musik ist einfach perfekt für einen Gruselfan wie mich, und ich kann mir in aller Ruhe Worst-Case-Szenarien ausdenken.

Der Zug hält. Abwesend lasse ich meinen Blick über den Bahnsteig schweifen. Direkt vor meinem Fenster zieht eine Person meine Aufmerksamkeit auf sich: Sie trägt einen weißen Anzug, wie ihn die Karate- und Judomeister immer tragen, mit dem Unterschied, dass der Anzug dieser Person mit Deutschlandfahnen und anderen Dingen, die ich nicht identifizieren kann, bedruckt ist. Ich kann nicht sagen, ob es ein Mann oder eine Frau ist, da sie weder ein eindeutig männliches noch ein eindeutig weibliches Gesicht hat, und die weißen Haare sind auch auf einer entsprechenden Länge. Dazu trägt die Person eine lange Schärpe, an der verschiedene Stecker festgemacht sind, unter anderem das Zeichen der Bundeswehr und Scooby-Doo. Sie fummelt ständig an ihrem schwarzen Gürtel herum oder kramt in den unzähligen Plastiktüten, die sie in einer dieser Rolltaschen, die mittelalte Frauen immer zum Einkaufen benutzen, verstaut hat.

Nach einer Weile wende ich mich wieder meinem Handy zu. Irgendwie habe ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Als ich mich nervös umsehe, bemerke ich, dass die Person mich direkt ansieht.

Beunruhigt schaue ich wieder auf mein Handy. Aus dem Augenwinkel nehme ich eine Bewegung wahr. Die Person ist von der Wartebank, auf der sie bisher gesessen hat, aufgestanden, und starrt nun direkt in mein Abteil. Ihre Augen beunruhigen mich...

Ich sehe erneut hin. Die Person wühlt in einer ihrer Plastiktüten. Na also. Kein Grund zur Sorge, alles ist gut! Das macht nur die Musik. Myuu ist halt nichts für schwache, übermüdete Nerven! Aber die Stöpsel rausnehmen ist auch dumm... Einfach ignorieren!

Die Unruhe bleibt. Wieder schaue ich aus dem Fenster und blicke direkt in das Gesicht der Person. Diese Augen... sie sind pechschwarz! Nicht nur die Pupillen, alles. Unfähig, mich zu bewegen, den Schock in den Gliedern starre ich zurück in die stechenden Augen.

Wut brodelt in mir, Aggressionen machen sich in mir breit. Was sind das für Augen, die das auslösen? Ich lege alle diese Aggression in meinen Blick. Plötzlich beginnt diese Person zu grinsen. Dann zerreißt ein grässlicher Schrei die bisherige Stille.

Kurz darauf zerren fünf Sicherheitsmänner die Person vom Zug weg und führen sie fort. Eine Zugbegleiterin stürmt derweil in mein Abteil.

“Ist hier alles in Ordnung? Haben sie irgendwelche Informationen über die Person? Hat sie ihnen etwas angetan? Oh mein Gott!”

Sie stockt, dann fängt sie an zu schreien. “Ihre Augen...” stammelt sie. Ich öffne die Frontkamera. Doch statt meinen undefinierbaren grün-grau-braunen Augen ist da nur Schwärze.


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“Nächster Halt: Erfurt Hauptbahnhof” Ich weiß nicht, ob es mein Handywecker oder die Zugdurchsage war, die mich aus meinem Nickerchen aufschrecken ließ. Schnell schnappe ich mir meine Sachen und stelle mich an die Tür, welche sich kurz darauf öffnet. Mehr stolpernd als gehend haste ich zu Gleis 3 und bekomme gerade noch so meinen Anschlusszug. Zwischendurch werde ich seltsam angeschaut, doch das interessiert mich wenig. Als ich dann im Zug sitze, beginne ich, einen Mann mit Kopfhörern im Ohr zu fixieren. Ein Grinsen schleicht sich auf meine Lippen, als er sich immer wieder panisch umsieht. Er schreit, als er meine Augen bemerkt, doch es ist für ihn schon zu spät. Wie ich hat er nun pechschwarze Augäpfel.

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