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1. Teil: Zwei unheimliche Legenden

du da vor dem Computer...Du schon wieder! Was hat dich denn erneut an so einen abwegigen Ort getrieben? Nun ja, ich bin froh dich wieder zu sehen, denn die meisten Menschen meiden mich mittlerweile... Wie du weißt bin ich ein eingefleischter Einzelgänger, Gesellschaft kann so schrecklich laut und schnell sein.

Sie vertreibt den Geist der Geschichten, verstehst du? Wenn du ganz leise bist, dich ruhig hinsetzt und eine Weile in die Nacht hinein lauschst, kannst du sie flüstern hören, glaub mir...

Deshalb liebe ich die Einsamkeit.

Versuch es doch auch einmal! Hier, setz dich zu mir unter die alte Weide auf die Decke, glätte deine Gedanken, schließe die Augen und lass die Welt auf dich wirken. Hörst du es? Dieses leise, verlorene Wispern in den Ästen des Baumes? Das Knacken der Rinde, verursacht von den träumenden Käfern darunter und das ferne, tausendstimmige Rauschen des Waldes. Das muntere Gurgeln des Baches. Ja, es ist wunderschön, da hast du recht mein lieber Freund... Erkennst du die Geschichten dahinter? Nicht? Schade...

Aber wo habe ich denn meine Manieren? Hier irgendwo müsste ich doch noch etwas Tee... Ah, da ist er ja! Nimm dir den Keramikbecher dort, er hat zwar einen Sprung, jedoch schützt er deine Finger vor übermäßiger Hitze. Ich will ja nicht dass du dich verbrennst. Ich habe da noch ein Glas mit selbst gemachtem Honig in meinem alten Rucksack. Ja, im Sommer gehe ich meiner geheimen Passion als Imker nach, aber sag das niemandem, die Kluft sieht allzu lächerlich an mir aus...

Riechst du den leichten Duft von Tannennadeln? Ich bin sehr stolz darauf, musst du wissen. Oh verzeih, ich bin gedanklich mal wieder abgedriftet, wo waren wir doch gleich? Die Geschichte öffnet sich dir nicht...

Ach, ihr jungen Leute! Immer mit dem Kopf in den Wolken, immer in Eile und abgelenkt! Ihr habt vergessen was es heißt, im Gleichklang mit der Welt zu atmen, die euch Tag für Tag umgibt. Aber gut, lass mich dir helfen.

Ich weiß doch, dass du meine Anwesenheit nur abermals aufgesucht hast, um eine weitere Erzählung zu hören. Sei nicht so verlegen, ich kenne dich bereits besser als du denkst und natürlich erzähle ich mit Freuden. Huh, die Nächte werden nunmehr zwar länger, aber es ist noch immer lausig kalt, findest du nicht? Ich sehe, dass du eine Gänsehaut hast. Nimm dir bitte noch eine dieser Decken dort, ich werde eben ein Feuer entzünden. Sieh dir diese heißen, blutroten Flammen an. So zerbrechlich und hilflos. Und gleichzeitig von unglaublicher Zerstörungskraft. Die Nacht ist kalt und dunkel... Nimm meine Hand und begleite mich an einen wärmeren Ort.

Wir befinden uns auf den Philippinen. Nein, nicht um Urlaub zu machen, wir werden hier von einer Geschichte erwartet. Und es wird keine angenehme, dass soll dir gesagt sein... Aber du kennst mich ja. Hast du bereits einmal das Wort „Aswang“ gehört?



Die Legende vom AswangBearbeiten


Der Aswang ist von grauenerregender Scheußlichkeit, egal ob an Gestalt oder Gesinnung. Bereits seit Jahrhunderten versetzt er die philippinische Bevölkerung in Angst und Schrecken. Woher die Aswang einst kamen, weiß niemand. Sie sind so alt wie die Menschheit selbst, wurden mit uns geboren, begleiteten uns durch die Äonen hinweg, doch starben nie mit uns. Sie sind immer noch da, so offensichtlich und doch so verborgen. Denn genau das, ist das Schreckliche an ihnen: Man erkennt sie nicht. Erst dann, wenn es zu spät ist. Und vertraue mir: die Erkenntnis wird grauenhaft sein. Und blutig rot. ==

Ein Aswang kann von männlicher, als auch von weiblicher äußeren Erscheinung sein, tagsüber passen sie sich an, leben unter uns und gehen rechtschaffenen Berufen nach. Oftmals handelt es sich um Berufe, in welchen man mit totem Fleisch zu tun hat, etwa Metzger, Bestatter oder Pathologe. Sie sind weder jung, noch alt, weder hässlich noch schön, dick, dünn oder in jeglicher erdenklicher Hinsicht auffällig. Sie sind ein Musterbeispiel an Normalität.

Doch mit der hereinbrechenden Finsternis offenbaren sie ihr wahres Selbst: rottendes Fleisch welches von mächtigen, verkrümmten Knochen hängt, verschleierte Silbermurmeln als Augen, mörderische Krallen und Zähne, die dir Haut und Muskeln in Fetzen vom Körper reißen können. Ein erdrückender Gestank von Tod und Fäulnis umgibt sie dauerhaft, wie ein schützender Kokon. Man munkelt, sie können sich in Fledermäuse oder geifernde Hunde verwandeln, mit kräftigen Kiefern, gigantischen Fängen und giftigem Speichel. Aber das ist nichts weiter als eine hohle Vermutung und stumpfer Aberglaube. Was viel realer ist und bei weiten mehr Grauen verursacht, ist ihre Art und Weise, sich zu ernähren. Vor allem die der Weibchen. Ein männlicher Aswang ist einem Vampir oder Ghul nicht unähnlich. Totes Fleisch, Kadaver von frisch Verstorbenen oder das köstliche Blut junger Frauen, denen er in einsamen Bergregionen nachstellt, erhält ihn am Leben und gibt ihm Kraft.

Die Einheimischen der Philippinen berichten immer wieder von Leichen welche an den Rändern der äußeren Dörfer gefunden werden, auf abartige Weise zugerichtet und verstümmelt. Einigen Berichten zufolge wurden die Opfer bereits mehrere Tage vor ihrem Tod vermisst und wiesen nach dem Fund deutliche Zeichen von prämortalen Gewalttaten an. Sie wurden systematisch gefoltert und sind in einem langen qualvollen Prozess nach und nach ausgeblutet. Ein Tod, so grausam dass ihn nicht einmal dein ärgster Feind verdient hätte. Aber es gibt immer etwas Schlimmeres...

Was, das Frage ich dich, könnte schrecklicher sein, als der eigene Tod?

Folgende Geschichte wird dir die Antwort preisgeben:


Ein junges Paar lebte bereits seit einer geraumen Zeit glücklich zusammen, sie hatten den Segen ihrer Eltern, ein kleines Haus welches sie sich von ihrem wenigen Ersparten gekauft hatten und die Liebe zwischen den Beiden war so tief und rein wie das Blau des Firmaments welches sich am Tag ihrer Hochzeit über allem erstreckte. Sie hatten beinahe alles was sie sich im Leben wünschten. Beinahe. Der sehnlichste Wunsch der Zwei war ein eigenes Kind, dem sie ihre ganze überquellende Zuneigung schenken konnten. Und eines Tages geschah es: Die junge Frau spürte zum ersten mal, dass ein neues Leben in ihr erwacht war und in ihrem Inneren aufblühte. Ihr Glück war nun perfekt und sie waren sich sicher, dass es immer so bleiben würde.

Allerdings ahnten sie damals noch nichts von dem Grauen, welches sie etwa ein halbes Jahr später ereilen würde...

Das Kind wuchs ohne Komplikationen, mit jedem Tag wurde die Liebe des Paares zu dem ungeborenen Säugling größer und sie malten sich die Zukunft ihrer kleinen Familie in den herrlichsten Farben aus. Die Frau befand sich bereits im achten Monat als sie zum ersten mal den widerlich fauligen Gestank bemerkte, der sich Nachts in ihrem Zimmer ausbreitete. Als sie ihren Mann am nächsten Morgen darauf ansprach, erwiderte dieser, ihm sei nichts ungewöhnliches aufgefallen. Als sich dieser seltsame Vorgang jedoch in der folgenden Woche jedes mal bei Aufkeimen der Dunkelheit wiederholte, wuchs ein schrecklicher Gedanke in ihm.

Mitten in der nächsten Nacht weckte er sie auf und fragte, ob sie den Geruch erneut wahrnahm. Sie verneinte und er war beruhigt. Er musste in seiner Vermutung wohl fehl gelegen haben. Plötzlich vernahmen sie ein Geräusch, welches von unten vom Hof zu kommen schien. Der Mann sprang auf, griff sich eine Lampe und vorsichtshalber einen dicken Ast zur Verteidigung und begab sich nach unten um nach dem Rechten zu sehen. Er schlich über den Hof und um das Haus, jedoch fand er nichts.

Als er unter dem Fenster zum Schlafzimmer stand, erstarrte er und sein Herz setzte für einen Augenblick aus. In das Holz von Wandverkleidung und Fensterrahmen hatten sich riesige Furchen gegraben. Wie von gigantischen Marderkrallen. Im selben Moment hörte er einen markerschütternden Schrei. Einen Schrei, wie ihn nur ein Mensch unter Todesqualen ausstoßen konnte. Und er rannte. In seinem Kopf bildeten sich die schrecklichsten Bilder und ließen ihn vor Angst erzittern, doch nichts was er sich ausmalte, kam dem absoluten Horror welchem er sich im Schlafzimmer gegenüber sah, gleich.

Seine Frau lag totenbleich und seltsam verdreht im Bett, die Gliedmaßen von sich gespreizt. Der Atem kam in zischenden, kurzen Stößen über ihre Lippen und sie wimmerte leise. Über ihr hockte eine Kreatur, bei welcher es sich nur um einen fleischgewordenen Albtraum handeln konnte. Die Luft war warm und feucht, roch nach verwesendem Fleisch und frischem Blut. Mit Entsetzten erkannte der bewegungsunfähige Mann, dass das dünne Kleid seiner Frau zurückgeschlagen war und den nackten Bauch der Schwangeren entblößte. Ein schleimiges, dickes und bezahntes Rohr steckte dort wo der Bauchnabel saß im weißen Fleisch, an der Einstichstelle sickerten dünne Blutfäden hervor... Ein gieriges Schmatzen, Schlürfen und Saugen ertönte und der Mann sah, von bitterschwarzem Grauen erfüllt, dass dieses Rohr im Maul der Kreatur endete. Eine Zunge. Tropfend, von rötlich brauner Farbe, innen hohl und an der Spitze verknöchert. Mit einem ekelerregendem Geräusch zog das Wesen die Zunge aus dem erschreckend eingefallen wirkenden Bauch heraus, starrte den schockierten Menschen mit toten Silberaugen an und zischte bösartig. Dann bewegte es sich mit unirdischer Geschwindigkeit auf das Fenster zu und verschwand in der Schwärze der Nacht.

Die Frau verstarb wenige Stunden danach. Der Mann konnte die Ereignisse nicht verarbeiten und folgte ihr einige Tage später durch seine eigene Hand.

Wenige Wochen nach dem tragischen Unglück, erschien eine unbekannte Frau in dem Dorf, welche augenscheinlich kurz vor der Geburt stand. Niemand hatte sie je zuvor gesehen. Diejenigen, welche das Gespräch mit ihr suchten wurden enttäuscht, denn sie verschwand bereits kurz darauf wieder, flüchtig wie ein Nebelschleier. Allerdings gibt es Berichte von einem alten Mann, welcher behauptet sie habe eines Abends auf dem Grundstück des verstorbenen Paares gestanden, zum Fenster herauf gestarrt... Und gelächelt.



Na, wie fühlst du dich? Ich glaube, es hat nun keinen Sinn mehr dir noch eine kleine Stärkung zu reichen, aber ich hoffe dein Magen hält noch einiges aus, denn nun komme ich zu der zweiten Legende.

Du bist nicht sicher ob du sie hören willst? Nun gut, ich werde dich nicht drängen, ich kenne diese Geschichte ja bereits... Siehst du diesen knorrigen Strauch dort? Und darunter die Farnpflanze? Dies ist kein gewöhnlicher Farn... ich weiß nicht, weshalb er hier wächst, denn er ist fremd, exotisch, nur ein Gast in diesen Gefilden. Aber ich lausche dem Klang seiner Wedel, wenn der Wind durch sie streicht und sie leise säuseln lässt. Er flüstert mir die Mythen seiner alten Heimat zu. Und er hat Angst. Bist du sicher, dass du nicht noch mehr hören willst? Natürlich willst du, also lass mich fortfahren:



Die Legende der Manananggal Bearbeiten

Kommen wir nun zu einem Wesen welches dem Aswang nicht unähnlich ist. Die Manananggal ernährt sich wie der Aswang hauptsächlich von menschlichem Blut, Organen, Fruchtwasser und ungeborenen Föten, verfügt über eine lange Hohlzunge und einem Mantel aus Menschlichkeit, welchen sie sich am Tage überstreift, doch sie ist noch um einiges gefährlicher.

Die Manananggal ist eine Zauberin, ausschließlich weiblich und von bezauberndem Äußeren. Tagsüber ist sie von einer gewöhnlichen Dorfschönheit nicht zu unterscheiden, doch Nachts erwacht ihr wahres Wesen. Sie zieht sich bei Einbruch der Dämmerung in ihr Versteck zurück, eine Höhle im Wald beispielsweise, und sobald der letzte Strahl der Sonne am Horizont verschwunden ist, macht ihr Körper eine grausame Metamorphose durch. Unter entsetzlichen Schmerzen löst sich ihr Oberkörper vom Unterleib. Aus dem Rücken des oberen Teils sprießen schwarze Schwingen, die Zähne werden zu Fängen, die Nägel zu Krallen, die Haut verfärbt sich und wird hart und rau. Obwohl die Manananggal ein magisches Wesen ist, geht dieser Vorgang auf eine sehr realistische und biologische Weise vor sich. Blut und Därme tropfen aus ihrem zerfetzten Torso, wenn das Fleisch schmatzend zerreißt und ihre gequälten Schreie sollen bis in die äußeren Dörfer reichen und den Menschen den Schlaf rauben.

So aufgespalten in zwei Hälften beginnt ihre Jagt. Der untere Teil bleibt in dem Versteck zurück, während sich der Oberkörper in die Luft schwingt und auf Menschenjagt geht. Es gibt auch Geschichten über sie, in denen sie unwissende Männer verführt und mit dem Versprechen nach Liebe in den Wald lockt. Dort bekommt ihr Opfer in den Abendstunden was es verlangt, bevor sich die Manananggal vor seinen Augen verwandelt, seinen Bauch aufreißt und sich an Herz, Leber, Magen und Nieren gütlich tut. Das Kreischen der Opfer im Todeskampf soll meilenweit zu hören sein und versetzt die Bevölkerung der Insel noch heute in Angst und Schrecken.

Die Manananggal ist unsterblich. Einige der, größtenteils katholisch konfessionierten, Einheimischen glaubt, sie sei bereits mit der Erschaffung des Universums auf die Erde gekommen, ein gefallener Engel oder eine Strafe Gottes um die von Wollust geleiteten Menschen vom Antlitz der Welt zu tilgen. Es gibt allerdings einen Weg, diese grausame Kreatur zu töten. Man muss in der Nacht ihr Versteck aufsuchen und Salz, Asche oder Knoblauch auf das rohe Fleisch der unteren Hälfte streuen, denn dies verhindert, dass sie sich im Morgengrauen wieder zusammensetzten kann. Und wenn sie sich am Tage noch in ihrer wahren Form befindet, wird sie zerstört. Allerdings ist dies ein sehr schwieriges und lebensgefährliches Unterfangen, denn die Manananggal wird alles daran setzten, dies zu verhindern.

Eine andere alte Legende berichtet, man könne sich mit einer Kerze vor ihren Übergriffen schützen, die man entzündet und nachts unter das Bett stellt. Aber Kerzen können verlöschen...


So, dies soll für heute genügen, der Wind ist abgeflaut und der Wald will mir keine Geschichten mehr preisgeben.

Ich bin müde und dass solltest du auch sein. Der Morgen ist nicht mehr fern, die Nacht zerfällt und die Bäume werden schweigen. Siehst du die Sterne? Bald werden sie verblassen... Ich würde dir raten dich langsam auf den Heimweg zu begeben, ich weiß, dass er weit war und du morgen noch einiges vor dir liegen hast. Danke, dass du mir in dieser Nacht abermals Gesellschaft geleistet und mir zugehört hast. Ich werde bald weiter ziehen, aber vielleicht trifft man erneut aufeinander, wer weiß? Die Wege, die dieses Leben geht sind rätselhaft und verworren...

Ich wünsche dir alles Glück der Welt und bedanke mich.

Hier, den Tee darfst du ruhig mitnehmen, ich brauche ihn nicht mehr.

Bis bald.



TheVoiceInYourHead

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